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Einleitung | Anmerkungen | Literatur

Register mit Erläuterungen und Mitteilungen über Veränderungen (z.B. verschwundene oder umbenannte Straßen)

 

S

S(ank)t Petersburger Straße
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HANKE: (1997) Nach Hamburgs russischer Partnerstadt St. Petersburg wurde 1997 der westliche Teil der Jungiusstraße zwischen Messegelände und "Planten un Blomen" umbenannt.
An der Südseite der St. Petersburger Straße befindet sich auf dem Messegelände die ehemalige Begräbniskapelle des Kirchspiels St. Petri, einer der innerstädtischen Hauptkirchen. Dieser um 1800 von Johann August Arens entworfene Bau bildet das letzte Überbleibsel der – 1879-99 schrittweise geschlossenen und bis 1934 weitgehend abgeräumten – "Kirchhöfe vor dem Dammthore". Der kleine Rundbau mit flacher Putzdecke und Kuppeldach zeigt zur Straße hin eine strenge Fassade mit halbrunder Eingangsnische; der Säulengang zum Messegelände hin ist eine Zutat von 1925. Ursprünglich bildete die als Torbau konzipierte und seinerzeit als "Todtenhalle" oder "Todtenhaus" bezeichnete Kapelle den nördlichen Eingang zum Friedhof der St. Petri-Gemeinde. Vor allem wohlhabende Familien nutzten sie für die Aufbahrung ihrer Toten und eine letzte Trauerfeier mit musikalischer Begleitung.
Anschließend wurden diese – den neuen Idealen der Aufklärung folgende – nicht mehr in den "dumpfigen Kellergewölben" oder auf den überfüllten Friedhöfen der innerstädtischen Kirchen, sondern in der idealisierten Natur und freier Landschaft beigesetzt.
Vor dem ideengeschichtlichen Hintergrund bildet die Begräbniskapelle nicht nur ein bedeutendes Baudenkmal, sondern auch ein historisches Merkzeichen einen wichtigen Schritt heraus aus einer eng gefassten – fast noch mittelalterlichen – Stadtkultur in die Neuzeit.
Im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE finden sich zu dem Bauwerk ergänzende Angaben zur stilistischen Einordnung:
"Ehem. Begräbniskapelle des Kirchspiels St. Petri, Jungiusstraße [heute: St. Petersburger Straße] 27, St. Pauli. Architekt: Johann August Arens. 1796; Säulenumgang: 1925. – Der eher unscheinbare Putzbau stellt mit seinem klaren stereometrischen Aufbau und der sparsamen Akzentuierung durch Eckrustiken ein typischen Beispiel für die von Architekten wie Claude Nicolas Ledoux geprägte 'Revolutionsarchitektur' des ausgehenden 18. Jahrhunderts dar. Er erinnert daran, daß das heutige Messegelände und der angrenzende Park 'Planten un Blomen' ursprünglich Begräbnisstätten der innerstädtischen Kirchspiele waren, die aber schon im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts sukzessive geschlossen und 1934 geräumt wurden. (…)." (siehe: Lange, 1995: S. 68, "A154")
Dass die Räumung der ehemaligen Friedhöfe in einigen Bereichen nur oberflächlich – im wahrsten Sinne des Wortes erfolgte – belegen die umfangreichen Funde sterblicher Überreste der dort Beigesetzten im Zuge der Bauarbeiten für die Erweiterung des Congress Centrums Hamburg (CCH) und für die Neue Messe Hamburg in der Jahren 2005-07. Bei den Ausschachtungsarbeiten für die Untergeschosse und für Tiefgaragen kamen an einigen Stellen Knochen in großen Mengen zum Vorschein; in Einzelfällen wurden sogar vollständige Bestattungen mit Särgen und Skeletten in ihrer Totenbekleidung freigelegt. Diese Überreste wurden auf ein eigens angelegtes Gräberfeld auf dem Friedhof Öjendorf zur – hoffentlich! – letzten Ruhe gebettet.

 

Schanzenstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli, Eimsbüttel, Rotherbaum), 1875, nach der benachbarten ehemaligen Sternschanze.
EStH: Ben.[annt] 1875 nach der benachbarten ehemaligen Sternschanze.
HANKE: (1875), Sternschanze (1870), Sternstrasse (1843). Die Sternschanze wurde 1682 als sternförmige Befestigung außerhalb der Stadtumwallung im Bereich dieser Straßen angelegt. Ihre Bewährungsprobe bestand sie 1686, als der dänische König Christian V. sie vergebens berennen ließ. An die 1200 Dänen, die bei diesem Angriff ums Leben kamen, erinnert der benachbarte Dänenweg. 1863-65 entstand auf der abgetragenen Schanze der Sternschanzenpark, in dem 1907-10 ein monumentaler Wasserturm errichtet wurde.
Die Verlängerung der Schanzenstraße von der Einmündung der Lagerstraße nach Norden erfolgte 1903 anlässlich der Verlegung des Sternschanzenbahnhofs nach Westen an seinen heutigen Standort. Vorher hatten die Gleise der Verbindungsbahn zwischen Hamburg und Altona auf gleicher Höhe mit den Straßen gelegen. Zusammen mit der durchgehenden Erweiterung von zwei auf vier Gleisstränge erhielt die Linie eine Hochlage auf einem aufgeschütteten Damm.
Zuvor hatte nur der Straßenabschnitt zwischen den Gleisen und der Kreuzung mit der Altonaer Straße diesen Namen getragen, während der südliche Abschnitt Neue Rosenstraße hieß. Beide Abschnitte wurden um 1885 ca. 100 Meter nach Westen verlegt, um einen Ausbau der Schlachthof- und Viehmarktanlagen südlich der Bahngleise zu ermöglichen. Der südliche Abschnitt des Straßenzuges bildete bis 1938 einen Teil der Grenze zur – bis dahin selbständigen – Nachbarstadt Altona, die auf Höhe der heutigen Hausnummer 7 jedoch nach Nordwesten in das Innere des dreieckigen Häuserblocks abknickt. Sie folgt damit einem früheren Bachlauf, der auch einer etwas weiter nördlich gelegenen Wohnterrasse den historischen Namen „Bachterrasse“ hinterlassen hat. Diese Terrasse hinter dem Vorderhaus Schanzenstraße 41 ist im Gegensatz zur typischen Anordnung Hamburger Wohnterrassen nicht rechtwinklig zum Straßenverlauf angelegt, sondern folgt den historischen, von dem Bachlauf des sog. „Pepermölenbeks“ beeinflussten, Flurstückgrenzen. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre war sie – unter der neuen Bezeichnung „Rebien-Terrasse“ (nach der damaligen Eigentümergesellschaft) - ein Brennpunkt der Konflikte um Hausbesetzungen in St. Pauli, Altona und anderen Hamburger Stadtteilen, für die „die Hafenstraße“ zum Synonym geworden ist. Mit der Gründung der Wohnungsgenossenschaft Schanze e.G. im Jahre 1987 und dem Beginn der Sanierung im Rahmen des Programms zur „Alternativen Baubetreuung“ (ABB-Programm) konnte der Konflikt an dieser Stelle jedoch recht schnell beigelegt werden, obwohl einige Hamburger Tageszeitungen des Springer-Verlages noch mehrere Jahre versuchten, ihn durch einseitige und provokative Berichterstattung über Häuser besetzende "Chaoten" wieder aufflammen zu lassen.
Diese Medien standen damit in unseliger Tradition einer "Forschungsarbeit" der 1930er Jahre, der sog. "Notarbeit 51", in der es u.a. heißt:
"An der Schanzenstraße sind es die Hinterhäuser No. 41, die den Blick auf sich lenken. … Hier scheint es tatsächlich angebracht, von einem sozialen Krankheitsherd zu sprechen. … Verschiedentlich ist eine wiederholte Inanspruchnahme der Polizei von denselben Personen bzw. Familien zu verzeichnen. … Hier sind mindestens tieferliegende Ursachen, wie Trunksucht, Hysterie, Querulantentum usw. zu suchen." (Siehe: Karl Heinz Roth: "Städtesanierung und 'ausmerzende' Soziologie: der Fall Andreas Walther und die 'Notarbeit 51' der 'Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft' 1934-1935 in Hamburg." In: Rassenmythos und Sozialwissenschaften in Deutschland. Hrsg. v. Carsten Klingemann. Opladen, 1987: S. 370-393.)
Der frühere Bachlauf des Pepermölenbeks, wie er in Karten und Topografien des 19. Jahrhundert beschrieben wird, ist an verschiedenen Stellen in der Bebauung des Stadtteils nachvollziehbar. Er begann demnach im Kreuzungsbereich Beim Grünen Jäger / Schulterbatt, verlief entlang der Schanzenstraße und knickte zwischen den Häusern Schanzenstraße 7 und 23 nach Nordwesten ab. Zwischen der dortigen Innenhofbebauung der Terrasse Schanzenstraße Nr. 41 a und des Hamburger Hofes bildete er seinerzeit einen eineinhalb Meter breitem Graben, bevor er im Zuge von Sielbauarbeiten zugeschüttet wurde (wahrscheinlich zwischen 1888 und 1890).
Ob an dieser Stelle tatsächlich eine Mühle existierte, wie manche Quellen nahe legen, ist heute nicht mehr eindeutig belegbar. In einem Gutachten, das im Zuge der Sanierung der Terrassen entstand, heißt es dazu:
"Vermutlich ist die Bachterrasse auf dem alten Mühl-Grundstück erbaut worden. Eine weitere Besonderheit bildet die Baulücke zwischen den Gebäuden Schanzenstraße 7 und 25. An dieser Stelle traf einmal die Grenze zwischen der um 1830 gebildeten 'Landherrenschaft der Geestlande' und der Stadt Hamburg auf die Staatsgrenze nach Altona. Die markante Umlenkung des ehemaligen Bachbettes an dieser Stelle deutet außer dem auf den Standort der erwähnten Mühle hin.“
(Carsten Dose, Volker Schmidt-Lühr: Die Rebienschen Terrassen)
Auch J. HASPEL bezieht sich in seinem Gutachten über die " Wohnhofgruppe Schanzenstraße / Schulterblatt“ (Hamburg, 1987) auf die Lage der umgebenden Bebauung:
"Die Stellung der Südzeile des Hamburger Hofes, die schräg geführte Blendarkadenmauer des Hofes Schanzenstraße 33 und die abgewinkelte Hofbebauung der Bach-Terrasse zeichnen den Verlauf des Pepermöhlenbeks nach."
Neben den einfachen Terrassenhäusern für Arbeiter wurden in der Schanzenstraße jedoch auch höchst repräsentative Vorderhäuser errichtet, die ihr seit den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts ein zunehmend großstädtischen Gesicht gaben. Als prototypisch dafür kann das 1896 fertig gestellte Wohn- und Geschäftshaus der Firma Johann Michael Fett & Co. unter den heutigen Hausnummern 56-62 genannt werden. Nach Plänen der Hamburger Architektengemeinschaft Johann Gottlieb Rambatz und Wilhelm Jolasse wurde ein massives fünfgeschossiges Haus mit Satteldach und einer recht aufwendigen Verblenderfassade aus rötlichen Industrieziegeln mit Werksteindekoration errichtet. Deren Gestaltung mit einer zentralen Tordurchfahrt, Loggien in den Obergeschossen, zwei ausladenden Erkern und paarweise zusammengefassten Fensterachsen mit krönenden Volutenaufsätzen orientiert sich an der Wiederaufnahme von Renaissanceschmuckformen und setzt sich damit vom neoklassizistischen Stil der vorherigen, niedrigeren Bauschicht der frühen Gründerzeit deutlich ab. Das Haus ist inzwischen unter der Nr. 1124 in die Liste Hamburger Baudenkmale eingetragen, war jedoch noch in den 1990er Jahren Gegenstand heftiger Konflikte zwischen Immobilienentwicklern, städtischen Stellen und HausbesetzerInnen. Nachdem zwei Hamburger Immobilienentwickler das - zwischenzeitlich im Besitz der Gewürzfirma Hermann Laue befindlichen - Haus zusammen mit dem, nach dem Umzug des Unternehmens brach gefallenen, Firmengeländes zwischen Schanzen- und Sternstraße gekauft hatten, stand es jahrelang leer und wurde im Herbst 1994 von der Gruppe "Nimm 2" besetzt, die eine Instandsetzung des Hauses durch ein Wohnprojekt verlangte, jedoch schnell wieder geräumt. Die Gruppe erhielt später ein anderes - ursprünglich gewerblich genutztes - Gebäude auf dem südlichen Teil des Laue-Geländes and der Ludwigstraße und baute dies für Ihre Wohnzwecke um.
Auch der auf der anderen Seite der Schanzenstraße liegende ehemalige Fabrik- und Verwaltungskomplex der Firma Montblanc (zuvor: Triton) ist ein Baudenkmal (Denkmalliste Nr. 970, bestehend aus Schanzenstr. 75 und 77 und Bartelsstr. 12). Er wurde ab zwischen 1897 und 1907 nach Plänen des Architekten Carl Feindt errichtet. Auch hier führte der Wegzug des langjährigen Nutzers zu einschneidenden Änderungen, nachdem der Gebäudekomplex zunächst 1987 an eine Grundstücksgesellschaft der Stadt Hamburg und später im Rahmen eines umfangreichen Privatisierungsprogramms aus dem Besitz der Stadt in denjenigen wechselnder privater Eigentümer veräußert worden war:
Noch vor dem Umzug der Firma Montblanc (1989) nach Eidelstedt übernahm die "Hamburgische Gesellschaft für Gewerbebauförderung“ (HAGG) den Gebäudekomplex und wandelte ihn in einen Gewerbehof um. Wichtigste Nutzer sind (seit 1991) die Zentrale der Hamburger Volkshochschule (VHS), das alternative Hotel und Restaurant "Schanzenstern“, das Kino "3001" und eine Anwaltskanzlei. Sich konnten ihre Flächen zunächst zu günstigen Konditionen anmieten, die sich im Verlauf der Weiterveräußerungen allerdings deutlich verschlechterten.

siehe auch: Neue Rosenstraße

 

Schauermann's Park
Namensgebend für die Grünfläche oberhalb der Kasematten der früheren Lagerräume zwischen Bernhard-Nocht- und St. Pauli-Hafenstraße ist die traditionelle Hamburger Bezeichnung für Arbeiter bei Lösch- und Ladearbeiten an Schiffen.
Eine gute Erläuterung der Berufsbezeichung "Schauermann" findet sich bei THEDE-OTTOWELL:
"Das Wort 'Schauermann' tritt in hochdeutschen Texten erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf, vorher hieß es einfach 'Schauer'. Diese Berufsbezeichnung entstammt dem Niederländischen und geht zurück auf sjouwer, d.h. Tagelöhner, der beim Löschen und Laden eines Schiffes half. Verwandt damit ist das niederländische Wort 'sjouwen' = hart arbeiten. ... Sie wurden anfänglich 'auf der Straße' angeheuert, waren bald aber in festem Lohn bei Umschlags- oder Stauereibetrieben ... . Außerdem gab es 'Unständige'. Sie kamen 'aus dem Stall', der [Arbeits-]Nachweisstelle am Stubenhuk [in der südlichen Neustadt], in der sie täglich neu vermittelt wurden, nachdem sie sich bis sechs Uhr früh beim Hafenarbeitsamt angemeldet hatten. ...
Mitte des 19. Jahrhunderts zogen sie in großen Scharen zu Fuß durch die noch schlafenden Wohnviertel, um das Fahrgeld zu sparen. ... Die meisten von ihnen mußten bereits gegen drei Uhr nachts aus dem Bett und kamen erst abends gegen sechs Uhr wieder heim." (Thede-Ottowell, Anne-Marie: "Hamburg: vom Alsterhafen zur Welthafenstadt." Hamburg: Heinevetter, 1988: S.215)
Die Schauerleute arbeiteten häufig als sogenannter "Gang" zusammen. Die meist ungelernten Arbeiter wurden – unter Anleitung eines erfahrenen Hafenarbeiters – nur dann eingesetzt, wenn sie benötigt wurden. Die Tätigkeit der Schauerleute verschwand aus dem Hafen, seit die meisten Güter in Containern transportiert werden. Auch in wenigen Fällen, in denen eine Ladung zu sperrig ist, werden längst ausgebildete Logistikspezialisten für die Be- und Entladung eines Schiffes benötigt, die nur noch aus nostalgischen Gründen gelegentlich als Schauerleute bezeichnet werden.
(Literatur: K. Heinrich Altstädt, "Schauermann im Hamburger Hafen." Hamburg: Koehler Verlagsges., 1999.
Weblink: http://de.wikipedia.org/wiki/Schauerleute )
Der lokalen Überlieferung nach hielten die Schauerleute in früheren Jahrzehnten von Schauermanns Park aus Ausschau nach einlaufenden Frachtschiffen, die ihnen Arbeit verschaffen konnten. Heute ist die Grünfläche auf dem Dach der ehemaligen Lagerhallen für Händler und Fischer, die im 2. Weltkrieg auch als Luftschutzbunker genutzt wurden, Bestandteil des "ParkFiction"-Projektes. . In und vor den in den Hang gebauten Gewölben hat sich unter dem – andernorts entliehenen – Namen "Riverkasematten" ein hochpreisiges Restaurant niedergelassen.

siehe auch: Riverkasematten

 

Schlachterbuden
Die kurze Gasse mit der Bezeichnung "Schlachterbuden" bildete die Fortsetzung der als "Juden Thor" bezeichneten Straße an der Grenze zwischen St. Pauli und Altona, wie eine Karte Altonas aus dem Jahre 1802 belegt. "Juden Thor" und "Schlachterbuden" zählten zu den zahlreichen, nicht mit Toren versehenen, Durchgängen, die Hamburgs Vorstadt "Hamburger Berg" mit dem benachbarten dänischen Altona verbanden.

 

Schlachthofpassage
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(St. Pauli), 1999, nach Errichtung einer neuen Fußgängerbrücke zwischen Marktstraße und Sternstraße eingerichteter Weg, der durch das Gebäude der Alten Rinderschlachthalle hindurchführt, und das Karolinenviertel mit dem Schanzenviertel verbindet. Der öffentlich gewidmete Weg verläuft auf privatem Grund; der Durchgang durch die Alte Rinderschlachthalle wurde im Herbst / Winter 2006/07 umgestaltet. Dabei wurden einige der noch aus der Zeit der Nutzung als Schlachthof stammende Einbauten entfernt und die Beleuchtung wesentlich verbessert, u.a. durch Entfernung von Vorbauten und eine neue Lichtführung.

 

Schmidt-Rottluff-Weg
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1987, nach dem Maler und Graphiker Karl Schmidt-Rottluff (1844-1926), gehörte zu den führenden Meistern des Expressionismus, gründete mit Kirchner und Heckel die "Brücke", lehrte an der Akademie in Berlin.
HANKE: (1986) Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976), Maler, führender Wegbereiter des Expressionismus.
Die Anlage dieser verkehrsberuhigten Wohnstraße erfolgte in den 1980er Jahren, noch bevor der Imagewandel St. Paulis und die dadurch schnell wachsende Nachfrage nach neuem Wohnraum in diesem ehemals schlecht beleumundeten und sozial belasteten Stadtteil begonnen hatte. Im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE heißt zu den als "Wohnanlage Schilleroper" bezeichneten Neubauten:
"Wohnanlage Schilleroper, Schmidt-Rottluff-Weg / Lerchenstieg / Thadenstraße, St. Pauli. Architekten: Rob Krier, Planungsgruppe me.di.um, Jentz, Popp, Störmer, Wiesner, Zimmermann; nps Architekten BDA Nietz, Prasch, Sigl (städtebauliche Gutachten); Busack & Göb; Planum; Sonnenschein & Balck; Stabenow & Siemonsen (Bebauung). Bebauungsplan 1981; 1986-89. – Viergeschossige Wohnanlage entlang einer verkehrsberuhigten Wohnstraße, deren Point de vue die Friedenskirche bildet. Klare Raumgrenzen und Achsensymmetrien sowie die Betonung der Kreuzung Thadenstraße durch turmartige Eckrisalite verdeutlichen die Abkehr von dem verschachtelten Layout, mit dem in den 70er Jahren 'Urbanität durch Dichte' suggeriert wurde. Der behördliche Bebauungsplan verwässerte zwei städtebauliche Gutachten von 1977 für das gesamte Gebiet zwischen Reventlowstift (…) und Neuem Pferdemarkt, wobei vor allem Rob Krier (zusammen mit me.di.um) neuartige Ansätze entwickelt hatte. Das Endergebnis stellt allerdings kaum mehr als ein spießiges Wohnidyll mit Mietergärtchen vor Giebelkulisse dar, aus dem sich nur der Entwurf von Busack & Göb (Schmidt-Rottluff-Weg 15-27) positiv hervorhebt. Der hässliche und überdies ortsfremde orangegelbe Verblender ist übrigens ein untrügliches Kennzeichen für Bauten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA." (siehe: Lange, 1995: S. 95, "C17")
Ein weiteres Kennzeichen war – wie nach dem Erstbezug eine Reihe von BewohnerInnen berichteten – auch die miserable Qualität der Bauausführung, die bis hin zu Wasserschäden durch undichte Dächer einiger Neubauten reichten. Ein wenig hilflos wirkt auch der Versuch, dass eintönige und wenig charakteristische Erscheinungsbild der Anlage durch "Stadtmöblierung" in Form von Kunstobjekten im Straßenraum aufzulockern.

 

Schmuckstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1948, nach dem Grundeigner Georg Schmuck, Bauunternehmer.
EStH: Ben.[annt] 1868 nach dem Grundeigentümer Georg Schmuck.
HANKE: (1868) Georg Schmuck (1821-1874), Vorbesitzer des Geländes.
Der Straßendurchbruch durch eine bereits bestehende Bebauung an Talstraße und Großer Freiheit erfolgte 1867 auch, um die Hauptfassade der katholischen St. Josephs-Kirche (fertiggestellt: 1729) an der Westseite der Großen Freiheit besser zur Geltung zu bringen. Im Zuge einer Neuorientierung kirchlicher Wirkungsabsichten wurde Kirchen seit Mitte des 19. Jahrhunderts von historischen Umbauungen befreit, um Platzsituationen zu schaffen (z.B. St. Jakobi in der Altstadt), oder durch neue Kreuzungssituationen freigestellt. Vor diesem Hintergrund ist auch die Schmuckstraße, die in direkter Sichtachse auf die Kirchenfassade zuführt, als Mittel zur Hebung und Betonung der Symbolwirkung des Kirchenbaus zu verstehen. Sie dokumentiert damit zugleich eine wachsende Gleichberechtigung der Konfessionen, da sie mit dem katholischen Gotteshaus das Zentrum einer religiösen Minorität in einem weit überwiegend evangelisch-lutherischen Umfeld akzentuiert.
Das westliche, ehemals in Altona belegene, Teilstück der Schmuckstraße hieß ursprünglich Ferdinandstraße. Der Hamburger Teil der Straße galt – bis zur Deportation der chinesischen Bewohnerschaft zu Beginn der 1940er Jahre – als Hamburgs "Chinatown". Dies machen u.a. zeitgenössische Photographien nachvollziehbar, die chinesische Geschäfte (z.B. Wäschereien) und BewohnerInnen dieser Straße zeigen.
An der Nordseite der Straße existierte bis zur Herstellung eines breiten Durchbruchs zur Anlage der Simon-von-Utrecht-Straße eine Blockrandbebauung, die bis auf letzte Reste an der Ecke zur Großen Freiheit wegen ihres unzeitgemäßen Zustandes oder Baufälligkeit abgebrochen wurde. Tatsächlich gab es an einigen Gebäuden deutliche Folgen von Senkungen, denn die Schmuckstraße kreuzt den früheren Verlauf des Grenzbaches zwischen Hamburg und Altona, der als Pepermölenbek in die Elbe mündete.

siehe auch: Große Freiheit

 

Schönstraße
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1869, nach August Joseph Schön (1802-1870), dem Vorsitzenden des Gründungskomitees und ersten Verwaltungsrates der Zollverein-Niederlage.
EStH: Ben[annt] 1869 zu Ehren von August Joseph Schön (1802-1870) als dem Vorsitzenden des Gründungskomitees und des ersten Verwaltungsrates der Zollvereinsniederlage.
HANKE: kein Eintrag.
Im Zuge der Messe-Erweiterung (ab Winter 2003/04), der Errichtung mehrerer neuer Messehallen westlich der Karolinenstraße und der Verlegung des östlichen Teils der Lagerstraße ist die Schönstraße – ebenso wie die Merkurstraße und die Erste, Zweite und Dritte Seitenstraße – vollständig verschwunden.

siehe auch: Lagerstraße

 

Schulterblatt
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BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt, Altona-Nord, Eimsbüttel), ben. im Volksmund um 1700 als "Beim Schulterblatt". Der Wirt einer hier gelegenen Gastwirtschaft hatte als Aushängeschild das Schulterblatt eines Walfisches. Es soll sich um eine Seemannskneipe gehandelt haben, die vorwiegend von Walfängern besucht wurde. Der Wirt hatte sich das Schulterblatt eines Wales mitbringen lassen, es bunt angemalt und als Wahrzeichen vor der Tür aufgehängt.
EStH: Ben.[annt] im Volksmunde um 1700 als Beim Schulterblatt nach einem an der alten Landstraße nach Eimsbüttel belegenen Wirtshaus, das Zum Schulterblatt hieß, weil es das bemalte und mit Inschriften versehene Schulterblatt eines Walfisches als Aushängeschild führte.
HANKE: (1718) Das Schulterblatt eines Wals, welches das Schild eines Wirtshauses zierte, gab der pulsierenden Hauptstraße des vielschichtigen Schanzenviertels vermutlich ihren Namen. Zum Schulterblatt gehörten ursprünglich auch der Neue Pferdemarkt und der Neue Kamp.
PABEL: Im Grenzbereich von St. Pauli, Eimsbüttel und Altona. Neddermeyer erwähnt in St. Pauli die Straße "Am Neuen Kamp, früher auch Schulterblatt genannt und als solches schon 1718 (nach dem Stadterbebuch) erwähnt" (Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg; S. 339). Obwohl im Volksmund seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich, erhielt die Straße erst 1841 offiziell den Namen Schulterblatt.
Der Name leitet sich ab vom markanten Aushängeschild eines dort befindlichen Wirtshauses, dessen bunte Bemalung das Schulterblatt eines Wals darstellte. Damals spielte der Walfang eine gewichtige Rolle im Hamburger Wirtschaftsleben und "Walknochen fanden vielfache Verwendung, z.B. als Abweiser am Rande der Fußwege außerhalb der Thore; auch auf den ehemaligen Reeperbahnen waren Walfischrippen als eine Art Thorbogen verwendet", wie SCHNITGER (Hamburgische Straßennamen. In: Hamburger Schulzeitung, Jg. 6, S. 295) berichtet.
Die Bedeutung des Walfangs und der aus ihm gewonnenen Produkte belegt auch die Straße "Bei den Thranbrennereien" am Hafenrand. Dort befanden sich die Brennereien zur Herstellung von Tran aus dem Speck der erlegten Wale. Dieser Tran fand vielfältige Verwendung, z.B. als – stark rußendes und "geruchsintensives", aber preiswertes – Lampenöl.
In den Listen, die nach der Niederbrennung der Vorstadt St. Pauli durch napoleonische Besatzungstruppen im Winter 1813/14 angefertigt wurden, wird für die Landstraße "Bey dem Schulter Blat" eine Anzahl von 26 zerstörten Häusern genannt (siehe: Der Schulterblatt, 1982: S. 13).
In einer Publikation des "Statistischen Bureaus der Steuerdeputation“ aus dem Jahre 1875 heißt es über das Schulterblatt (S. 11): "Distrikt an der Holsteinischen Grenze am Wege nach Eimsbüttel. In der Nähe liegen auf Holsteinischem Gebiet der ebenso benannte Stationsbahnhof der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn."
Dieser "Stationsbahnhof" der 1866 fertiggestellten Bahnverbindung zwischen Hamburg und Altona ermöglichte auch das bequeme Umsteigen von den nach Eimsbüttel führenden Straßenbahnlinien auf die Fernbahn. Er wurde nach der Errichtung des neuen Fernbahnhofs Sternschanze, eines westlich des alten ebenerdigen Bahnhofsgebäudes errichteten Hallenbaus (ähnlich dem Bahnhof Holstenstraße), aufgegeben. Im Zuge der Herstellung einer neuen Eisenbahnbrücke wurden jedoch erst 2004/05 die letzten Spuren entfernt.
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die gesamte Ostseite der Straße bis zur Amandastraße zum "8. Steuerdistrict" Hamburgs und damit zur Vorstadt St. Pauli, wie der "Plan von Hamburg" belegt, der dem Heft II der "Statistik des Hamburgischen Staats" beigeheftet ist. Im nordwestlichen Abschnitt der Straße befand sich in den 1860er Jahren hingegen auf Altonaer Gebiet eine Vergnügungsstätte, die auf diesem Plan als "Schmidt Tivoli" bezeichnet wird. Später wurde dort das "Conzerthaus Flora" errichtet.
Ein weiteres markantes Gebäude am Schulterblatt 26-36 ist das ehemalige "Boardinghouse des Westens", dessen auffälliger Erker weit über den Bürgersteig vorkragt. Heute sind dort die STEG – Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH, die Forschungsstelle für Zeitgeschichte der Universität Hamburg (FZH) und einige Unternehmen annsässig. Es wurde 1930/31 nach Berliner Vorbildern errichtet und sollte in seinen 1- bis 2-Zimmer-Appartments den Service eines Hotels mit dem Charakter privater Wohnungen verbinden. Zunächst bezogen viele KünstlerInnen benachbarter Theater, z.B. der "Flora" oder der "Schilleroper" hier Unterkunft. Da die angestrebte Belegung jedoch längerfristig ausblieb, wurde das Gebäude schließlich als Bürohaus vermietet, zunächst an die Landesversicherungsanstalt (LVA), ab 1976 an die Firma MONTBLANC. Nach deren Weggang dienten einige Etagen ab 1989 als provisorische Unterkunft für Aus- und ÜbersiedlerInnen, bevor es ab Ende der 1990er Jahre vollständig an unterschiedliche Firmen und Institutionen vermietet wurde.
Der "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE geht auf einige architektonische Details ein. Es heißt dort:
"Ehem. 'Boardinghouse des Westens', Schulterblatt 36, St. Pauli. Architekten: Klophaus, Schoch, zu Putlitz. 1930/31. – Das ungewöhnliche Motiv des turmartigen Erkers ergab sich aus der spitzwinkligen Form des Grundstücks, die der Grenze zwischen Hamburg und Altona folgte Die für ein Wohnhaus untypische Architektur ist ein Ergebnis mehrerer Umplanungen infolge der Weltwirtschaftskrise. Ursprünglich wohl als Bürogebäude konzipiert, wie eine Entwurfsvariante der Architekten mit Fensterbändern belegt, wurde der Komplex 1931 als komfortables Wohnheim mit hotelartigem Service für Künstler und Artisten fertiggestellt, die in den benachbarten Vergnügungsstätten von St. Pauli und Altona gastierten. 1933 erfolgte die Umwandlung in ein normales Mietshaus." (siehe: Lange, 1995: S. 94, "C12")
Auch HIPP geht in seinem "Kunst-Reiseführer" auf das markante Gebäude ein:
"Das Boarding-House des Westens, Schulterblatt 36, war ein Sonderfall unter den Großwohnanlagen der zwanziger Jahre. Ein bürgerliches 'Einküchenhaus' sollte das Wohnen in der Stadt mit Gemeinschaftseinrichtungen und dem Service eines Hotels ermöglichen – ein Experiment, das auch hier scheiterte (Klophaus, Schoch, zu Putlitz 1930/31 – 1931 in ein normales Mietshaus umgebaut) ." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3. Aufl./ 1996: S. 253.)
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt das Schulterblatt seit 2008 administrativ vollständig im Bezirk Altona.

siehe auch: Flora-Park

 

Seewartenstraße
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BECKERSHAUS: (Neustadt, St. Pauli), 1894, nach der südlich der Straße gelegenen früheren Seewarte. Unter Leitung des Direktors Georg von Neumayer begann die Seewarte 1876 mit einem Seewetterbericht, der Seeleute und Küstenbewohner über herannahende Stürme informieren sollte. Dafür wurde ein Wetterdienst eingerichtet, der von England über Ostfriesland bis zur Deutschen Bucht reichte. Nachdem sich von den Voraussagen so gut wie keine bestätigt hatte, wurde der Dienst bald wieder eingestellt.
EStH: Ben[annt] 1894 nach der Deutschen Seewarte auf dem Stintfang.
HANKE: (1894) Die 1943/44 zerstörte Deutsche Seewarte, die sich auf dem Stintfang befand, war der Vorläufer des heutigen Deutschen Hydrographischen Instituts.
Im westlichen Abschnitt der Seewartenstraße und entlang der westlich anschließenden Bernhard-Nocht-Straße wurden bereits Beginn zu des 20. Jahrhunderts mehrere öffentliche Gebäude errichtet, darunter das ehemalige Hafenkrankenhaus, Seewartenstraße 5. Nach heftigen Auseinandersetzungen um seine Schließung entstand dort seit 1999 das Sozial- und Gesundheitszentrum St. Pauli (heute Gesundheitszentrum St. Pauli).
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstand aus dem früheren Seemannshaus seit den 1980er Jahren ein ausgedehnter Hotelkomplex, dessen Eigentümer Willi Bartels (*1914 – †2007) als größter "Immobilienmagnat" St. Paulis galt. Zur Baugeschichte findet man im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE die folgenden Informationen:
"Hotelbauten an der Seewartenstraße – Hotel Hafen Hamburg, Seewartenstraße 9, St. Pauli. Architekten: Christian Timmermann (Ursprungsbau), Arbeitsgemeinschaft Karl Jacobsgaard und Kleffel, Köhnholdt, Gundermann (Erweiterung). 1858-63, Erweiterung 1984, Fertigstellung 1986. – Ursprünglich auf Betreiben einiger Reeder als Logierhaus mit Freizeiteinrichtungen und Krankenstation errichtet, mußte sich das ehemalige Seemannshaus schon relativ bald nach anderen Nutzern wie der Navigationsschule, der Seemannsmission oder dem Tropenkrankenhaus umsehen, weil die Seeleute die soziale Kontrolle scheuten, die die Unterbringung hier mit sich brachte. Außerdem war das Gebäude als 'Heuerstall' für die Arbeitsvermittlung und Entlohnung bekannt. Beim Umbau zum Hotel wurde der Komplex durch ein turmartiges Gebäude mit Gesellschafts- und Tagungsräumen sowie 51 Hotelzimmern ergänzt. Zwischen expressionistischer 'Stadtkrone' und maritimem Wahrzeichen angesiedelt und dadurch vielleicht etwas zu gefällig geraten, fügt sich der exponierte Bau problemlos in die Stadtsilhouette ein.
– Hotel Residenz Hafen Hamburg, Seewartenstraße, St. Pauli. Architekten: Meyer + Fleckenstein; Mitarbeiter: Stefan Gulde, Iris Hanappel, Susanne Heinz, Cord Möller-Ewerbeck. 1991 W[ettbewerb], 1993-95. Keine Erweiterung des Hotels Hafen Hamburg, sondern ein eigenständiges Haus mit 250 Betten sollte das Hotel Residenz Hafen Hamburg werden. Das betont auch der Entwurf von Meyer + Fleckenstein, dessen elegant geschwungene Hauptfassade sich mit weißen Brüstungsstreifen und dunklen Fensterbändern ostentativ von der behäbigen Bachsteinarchitektur des unmittelbar angrenzenden Hotelkomplexes absetzt. Die Aufständerung des Gebäudes auf Stützen und die transparente Halle eröffnen Durchblicke auf den Elbstrom und zum Innenhof. Die elliptischen Aufbauten für die Konferenzräume mit Panoramablick sind eine zusätzliche Attraktion."
(siehe: Lange, 1995: S. 99, "C29.1" / "C29.2")
Laut SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) erfolgte der Erwerb des "Seemannshauses" durch Willi Bartels im Jahre 1979, die Errichtung des ergänzenden Hotelturms östlich des Hauptgebäudes im Jahre 1987 (a.a.o., S. 12).

siehe auch: Bernhard-Nocht-Straße

 

Seilerstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1886. Die für die Reeperbahn erbrachte Erklärung ist inhaltlich auch für die Seilerstraße relevant, denn Reeper ist gleich Seiler. Nachdem die Neustadt für dieses platzaufwendige Gewerbe zu eng geworden war, wurden die Reeper aus der Gegend des Eichholz vertrieben und siedelten sich in der Vorstadt am Hamburger Berg (St. Pauli) an.
Der obigen Aussage von BECKERHAUS, dass "Reeper ... gleich Seiler" sei, ist entgegenzuhalten, dass die Reepschläger auf ihren Bahnen das schwere Seilwerk für die Schiffahrt drehten, während das Handwerk der Seiler in der Herstellung dünnen Tauwerks für Landwirtschaft, Bau und Tischlerei bestand. Daher gewährten die Hamburger Reeper den Seilern bis zur Auflösung der Zünfte – durch Einführung der Gewerbefreiheit in Hamburg (1865) – auch nur in Ausnahmefällen den Beitritt in das Reepschlägeramt. Groenewold / Ohl stellen dazu ausdrücklich fest: "Die häufig vertretene Meinung, 'Reeper' sei nur der niederdeutsche Ausdruck für Seiler ist demnach falsch." (Elke Groenewold, Gunhild Ohl: "Bönhasen – Pfuscher – Freimeister: die 'handarbeitende Classe' St. Paulis im 19. Jahrhundert." Hamburg, 1990: 45.)
EStH: Ben.[annt] 1886 als auf dem Gelände der ehemaligen Reperbahnen belegen.
HANKE: (1886) Seiler betrieben hier bis 1883 ihre Bahnen (siehe auch: Reeperbahn).
Die Karte "Grundriss der Vorstadt von Hamburg S[ank]t Pauli; herausgegeben von P. G. Heinrich." Gezeichnet v. A.[nton] A.[ugust] M.[artin] Nagel. In Stein gestochen v. Th.[eodor] Boehden; verlegt von Otto Speckter, Hamburg, 1836 (Lithographie; Maßstab: [Ca. 1:5.800]; Größe: 37 x 44 cm) bezeichnet die Seilerstraße lediglich als [Straße] "Hinter der Reeperbahn". Sie bildet die Verlängerung des Klütjenstiegs nach Osten.
Die Plätze der Reeper (= Seiler) waren vom Senat am 31. März 1883 enteignet worden. Dadurch wurden 55.745 m² wertvolles Bauland gewonnen, das sehr schnell parzelliert und mit allen notwendigen Erschließungen (Gas, Wasser, Siele, Straßen) versehen wurde. Bereits um 1887 waren die meisten Grundstücke an der Seilerstraße und ihren Querstraßen zwischen Reeperbahn und damaliger Kieler Straße (heute: Simon-von-Utrecht-Straße) mit Vorder- und teilweise Hinterhäusern dicht bebaut.
Zu dieser Bebauung zählten auch die beiden neuen Schulgebäude der Volks- und der Realschule. Ersteres hat in ganz Hamburg durch das Couplet
"Mit de höhre Schule is dat nix /
Da kommt mein Kind nich rein /
In der Seilerstraße lern sie auch ganz fix /
Und was soll das mit Latein / ... "

zeitweilig eine gewisse Berühmtheit erlangt, letzteres beherbergt heute das Hamburger Schulmuseum (siehe Webseite: http://www.hamburgerschulmuseum.de/). (siehe Webseite: http://www.hamburgerschulmuseum.de/).
Informationen zur Geschichte und Architektur der beiden Schulen in der Seilerstraße sind auch im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. Lange zu finden, in dem es heißt:
"Ehem. Volksschule, Seilerstraße 41-43, St. Pauli. Architekt: Hochbauwesen der Baudeputation. 1887/88. –
Ehem. Evangelisch-reformierte Realschule, Seilerstraße 42, St. Pauli. Architekt: Hallier & Fitschen. 1885/86. – Die Namen Reeperbahn und Seilerstraße verweisen auf ein seit 1626 in St. Pauli ansässiges Gewerbe. 1883 wurden die langgestreckten Bahnen nördlich der Reeperbahn, auf denen Schiffstaue – 'Reepe' – gezogen wurden, geräumt und für eine repräsentative Bebauung mit Etagenwohnhäusern parzelliert. Außerdem fanden hier zwei Schulen Platz, die den teuren innerstädtischen Grund mit vier Geschossen und zweibündigen Grundrissen intensiv ausnutzten, was für den Hamburger Volksschulbau vor dem ersten Weltkrieg aber auch allgemein charakteristisch ist, ebenso der Verzicht auf Aulen und andere Sonderräume. Stellt die Volksschule mit ihrer ganz aus dem Material entwickelten, schlichten Backsteinarchitektur ein weiteres typisches Beispiel für den öffentlichen Hochbau unter Baudirekter Zimmermann dar, so hebt sich die Realschule zumindest durch Werksteingliederungen im italienischen Renaissancestil von diesem prosaischen Gegenüber ab."
(siehe: Lange, 1995: S. 96, "C23.1" / "C23.2")
Eine gewisse Vorliebe Zimmermanns für diese Stilrichtung belegt auch das Gebäude des ehemaligen Albrecht-Thaer-Gymnasiums (heute: Studienkolleg für ausländische Studierende) am Holstenglacis.

siehe auch: Holstenglacis

 

Seitenstraße[n]
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1952, Erste, Zweite und Dritte Seitenstraße wurden 1899 die Querstraßen auf dem Gelände Zollvereinsniederlassung benannt. Die Erste Seitenstraße wurde 1952 in "Seitenstraße" verkürzt.
EStH: ~, Erste, Zweite und Dritte. Ben.[annt] 1899, vorher Östliche, Mittlere und Westliche Querstraße.
Die Bekanntgabe der Umbenennung erfolgte im Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg vom 1. Oktober 1899.
Im Zuge der Vorbereitungen für die Erweiterung des Hamburger Messegeländes nach Westen sind auch die letzten Hinweise auf die Seitenstraße und die Zollvereinsniederlassung aus dem Stadtbild verschwunden. Das letzte verbliebene Gebäude und der noch erkennbare Verlauf der Straßen wurden in Herbst / Winter 2003/04 abgebrochen bzw. bei den Ausschachtungs- und Fundamentierungsarbeiten für die neuen Messehallen westlich der Karolinenstraße entfernt.

siehe auch: Merkurstraße

 

Silbersackstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), etwa 1700, nach dem früheren Grundeigentümer "Silversack", der hier 1697 einen Platz kaufte.
EStH: Ben.[annt] seit etwa 1700 nach einem anliegenden Grundeigentümer namens Silbersack.
HANKE: (1815) Ein Mann namens Silbersack kaufte hier 1697 Land.
PABEL: Die nahe der Reeperbahn gelegene kurze Straße, zum Teil schon 1644 bebaut, müßte eigentlich richtiger Silversackstraße genannt werden; denn namensgebend war ein gewisser Silversack, der 1677 [sic!] hier ein Stück Land gekauft hatte. Im Volksmund hieß die Straße verkürzt auch einfach Silbersack.
Die obigen Angaben dürften auf die Hinweise bei NEDDERMEYER zurückgehen, der 1832 schreibt: "1697 wurde ein Platz bei der alten Dröge (beim Jahre 1610 kommt hier noch eine Wassergrube vor) an S i l v e r s a c k verkauft, daher der Name Silbersackstraße."
(Neddermeyer, F.H.: "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg." Hamburg: Hoffmann & Campe, 1832. Laut dortiger Anmerkung nach einer Mitteilung des Stadtarchivars, Dr. Lappenberg.)
In dem Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." (S. 342) heißt es zu dieser Straße außerdem:
"No. 346 bis 360, 370 bis 372. 10 Häuser, 10 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 2.
Richtiger wäre wohl der Name Silversackstraße, da ein Mann namens Silversack 1697 hier Land kaufte. Schon 1644 wurde diese Gegend bebauet; die Häuser der Südostseite dieser Gasse entstanden erst 1815 (S. B. [= Stadt-Erbebuch]).
In dem Hause No. 370 befand sie das Bureau No. 14 zur Anmeldung der von der Cholera Befallenen; nachstehende Gassen gehörten zum Distrikt desselben:
Antonistraße, erste und zweite Bernhardstraße, Bergstraße, erste und zweite Carlstraße, Dampfmühle, Davidstraße, Elbhalle, erste und zweite Erichstraße, Feldstraße, erste und zweite Friedrichstraße, Gerhardstraße, Herrenweide, Hinrichstraße [sic!], Hörmannstraße, Kirchenstraße, Langestraße, Langereihe, große und kleine Petersenstraße, Pferdeborn, Martenswohnungen, Pinnasberg, Querstraße, Silbersackstraße, Tatergang, bei der Thranbrennerey, Trommelstraße, Wilhelmstraße, Witthof.
Brunnen bei der Elbwasserkunst. In No. 370."

Die größte Attraktion der etwas unebenen, noch mit dem historischen Hamburger Großpflaster belegten Silbersackstraße ist wahrscheinlich die traditionsreiche Gaststätte „Zum Silbersack“, die seit dem 25. Juni 1949 in einem eingeschossigen Pavillonbau an der Ecke zur Querstraße besteht.
Nachdem die langjährige Betreiberin Erna Thomsen der Geststätte im Mai 2012 plötzlich verstorben war, war das Schicksal dieser „Kultkneipe“ St. Paulis ungewiss. Sowohl die IG St. Pauli als Vereinigung der Gewerbetreibenden als auch viele Kommunalpolitiker setzten sich für ihren Erhalt ein.
Über eine weitere ortstypische Gaststätte war in der Rubrik „Meine Strasse“ [sic!] in der Tageszeitung „DIE WELT“ am 25. Oktober 2008 zu lesen:
„Kurz danach folgt die Kneipe ‚Zum Rettungsring’: … Sie ist eine Spelunke, wie sie im Bilderbuch steht. Sie beheimatet Gestalten, die im Sommer in Unterhosen Karten spielend davor und zur kalten Jahreszeit, dunkel gekleidet, von Rauchschwaden umgeben drin verweilen.“

 

Silbersacktwiete
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1985, in Anlehnung an den Namen Silbersackstraße.
Bis zum Jahr 1899 trug diese Straße den Namen Bergstraße und wurde anschließend zur Silbersackstraße hinzugezogen. Heute ist sie zum Teil nur ein Fuß- und Radweg.

siehe auch: Silbersackstraße

 

Simon-von-Utrecht-Brücke
Die Brücke war – zusammen mit der Kersten-Miles-Brücke – beim Ausbau der neuen Straßenachse zwischen der Neustadt und St. Pauli (an der Geestkante entlang der Seewartenstraße und Bernhard-Nocht-Straße) im Jahre 1894 errichtet worden. Bis zum Beginn der 1950er Jahre uberquerte die Bernhard-Nocht-Straße westlich vom Seemannshaus (heute: "Hotel Hafen Hamburg") auf dieser Brücke die – heute nicht mehr existierende – Sylter Allee. Als diese Straße im Zuge der Erweiterung der Bavaria-St. Pauli-Brauerei und der Errichtung der Verwaltungsbauten südlich der Bernhard-Nocht-Straße aufgehoben wurde, verschwand auch die Brücke. Die Reproduktion einer Postkarte, die auch diese Brücke zeigt, findet sich bei SCHREIBER / WALDEN (2008: S. 16).

siehe auch: Sylter Allee

 

Simon-von-Utrecht-Straße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), umb. 1948, nach dem Seehelden und Bürgermeister Simon von Utrecht (gest. 1437), der sich einen Namen machte, indem er Hamburg vom Joch der Seeräuber befreite.
Klaus Störtebeker, der Führer der Vitalienbrüder, verschanzte sich um 1400 bei Helgoland und lauerte Hamburger Schiffen auf. Unter Simon von Utrecht rüsteten sich die Hamburger und brachten ihn nach Hamburg, wo er auf dem Grasbrook geköpft wurde. Die Köpfe der Seeräuber wurden auf Pfähle genagelt.
Gödeke Michels, der bei diesem Gefecht entkommen konnte, wurde ein Jahr später gefaßt und gleichfalls enthauptet. Simon von Utrecht hat an beiden Schlachten auf Hamburgs bekanntestem Schiff, der "Bunten Kuh", teilgenommen. Ein dritter Kriegszug richtete sich gegen Seeräuberschlupfwinkel an Land. In der Emsmündung nahm Simon von Utrecht Stützpunkte der Seeräuber ein. In Hamburg wurde der Seeheld mit großen Ehren überhäuft.
HANKE: (1948) Simon von Utrecht (gest. 1437) ist Hamburgs berühmtester Seeheld, besiegte er doch 1401/02 die Piraten der Vitalienbrüder mit ihren Anführern Klaus Störtebeker und Godeke Michels. 1432-33 schlug von Utrecht außerdem die ostfriesischen Häuptlinge und nahm Emden für Hamburg in Besitz. Ab 1433 amtierte er als Bürgermeister von Hamburg.
Vor 1899: Marienstraße; 1899-1948: Eckernförder Straße.
Die – nahezu alleinige – Zuschreibung des Sieges über Störtebeker entspricht nicht den historischen Tatsachen, denn zur Zeit der Gefangennahme Störtebekers im Jahr 1400 (oder 1401) war an Simon von Utrecht erst ein Jahr lang Hamburger Bürger und nicht der Oberbefehlshaber der eingesetzten Flottille. Für den Feldzug gegen die Vitalier im Jahr 1400 ist statt dessen die Funktion Hermann Nyenkerkens, der die "Bunte Kuh" – das einzige in den Kämmereirechnungen namentlich erwähnte Schiff – befehligte, als Oberbefehlshaber dokumentiert.
Simon von Utrecht stammte vermutlich aus den Niederlanden, wie auch der ihm beigelegte Familienname nahelegt. Erst 1432/33 hatte er den Oberbefehl über die Hanseatische Flotte inne und setzte erfolgreich den Kampf gegen die räuberischen "Strandfriesen" – Störtebekers ehemalige Bundesgenossen – fort, obwohl er bereits seit 1425 selbst Mitglied des Rates war. Nach der Einnahme des friesieschen Hauptquartiers, der Sebaldusburg, weiteren Siegen bei Norden und Lütetsburg und der Eroberung der friesischen Hauptstadt Emden wurde er 1433 zum einzigen Hamburger "Bürgermeister ehrenhalber" ernannt und unterlag somit nicht mehr der jährlichen Ablösung, die die Ratsverfassung Jahrhunderte lang für die Hamburger Bürgermeister vorsah. Er wohnte bis zu seinem Tod am 14. Oktober 1437 in der Gegend des Rödingsmarktes im Nikolai-Kirchspiel.
Der Legendenbildung um Simon von Utrecht leistete vor allem sein Grabstein in der St. Nikolaikirche Vorschub, der ihn zum alleinigen Sieger über die "Likedeeler" (= "Gleichteiler") Störtebekers und Michels' stilisierte. Er gelangte nach dem Erlöschen der Familie Simon von Utrechts 1661 in den Besitz des "Kirchengeschworenen" (Jurat) Jürgen Kellinghusen und verblieb bis zur Zerstörung der alten Nikolaikirche beim Großen Hamburger Brand des Jahres 1842 dort.
Ursprünglich endete der mit Fahrzeugen benutzbare Abschnitt der Simon-von-Utrecht-Straße im Westen an der Einmündung in die T(h)alstraße, in die der Verkehr nach Norden oder Süden abfließen konnte. Erst um 1970 entstanden mit der Herstellung der Verbindung nach "Neu-Altona" die westliche Verlängerung und der heutige Straßenverlauf. Dadurch wurde auch die alte Blockstruktur verändert, wie sich an der freigelegten, fensterlosen "Innen"-Wand des Grünspans bis heute ablesen lässt. Der historische Straßenblock wurde eingefasst durch Große Roosenstraße [Altona] und Kieler Straße [Hamburg] (N), Thalstraße, Schmuckstraße [Hamburg] und Ferdinandstraße [Altona] (S) und Große Freiheit [W]. Dieser recht große Block war durchzogen vom nord-südlich verlaufenden Grenzgang zwischen Hamburg und Altona und mehreren Fußwegeverbindungen, die z.T. von Terrassenhäusern eingefasst waren, wie historische Karten belegen. Mit seiner ursprünglichen Bebauung, zu der östlich der Großen Freiheit gewerbliche Bauten wie die ehemalige Fischräucherei und die Budenreihe der sog. Soldatenhäuser aus dem 18. Jahrhundert, Terrassenhäuser des 19. Jahrhunderts an der Talstraße und an allen Blockrändern – sowohl gründerzeitlicher und moderner – Geschosswohnungswohnungsbau zähl(t)en, kann dieser Block geradezu als Musterbeispiel der Baugeschichte an der alten Grenze zwischen St. Pauli und Altona betrachtet werden. Leider führten die Abbrüche der letzten Terrassenhäuser an der Ecke Simon-von-Utrecht-/Talstraße, die Sperrung des Grenzganges durch einen verschlossenen Zaun und die Schließung des Zugang von der Talstraße aus dazu, dass dieses Ensemble viel von seiner Bedeutung eingebüßt hat. Durch die jüngsten Planungen zur Umgestaltung und teilweisen Bebauung des ehemaligen Schulgeländes der Pestalozzi-Schule zwischen Großer und Kleiner Freiheit (ab 2008) werden sich jedoch voraussichtlich neue Chancen zur Realisierung einer neuen "grünen Wegeverbindung" durch das Blockinnere ergeben. Auch die durchgängige Begehbarkeit des historischen Grenzgangs soll wiederhergestellt werden.
Auf der Ostseite der Einmündung der Talstraße in die Simon-von-Utrecht-Straße ist ein weiteres bemerkenswertes Baudenkmal zu finden, dass sowohl die politische als auch die Sozialgeschichte Hamburgs widerspiegelt. Das ehemalige Israelitische Krankenhaus, das 1843 nach Plänen von Johann Hinrich Klee-Wölbern fertiggestellt wurde. Im aktuellen "Architekturführer Hamburg" von D. MEYHÖFER findet sich dazu die folgende Kurzbeschreibung:
"… 1839 hat der Bankier Salomon Heine zum Gedenken an seine Frau Betty ein für damalige Zeiten vorbildliches Hospital in der damals üblichen Pavillonbauweise gestiftet. Bezeichnend ist, dass dieses Krankenhaus noch das weiße Putzkleid der Patriziervillen trägt; dies ist sicher dem frühen Baujahr geschuldet, aber auch der Präsentation. Spätere Krankenhausbauten wurden als Nutzbauten eingestuft und dementsprechend als Ziegelrohbauten erstellt. … Der Komplex wurde mehrfach erweitert, aber 1938 ebenso zerstört wie die Synagoge, die hinter den Mittelrisaliten lag. Der Nachkriegswiederaufbau ist vereinfacht durchgeführt worden; immerhin erinnern die Oculi im Risaliten daran, dass dieser Bauteil ein Sakralbau war." (Meyhöfer, 2006: S. 38 – Nr.37)
Leider ist diese Beschreibung nur bedingt zutreffend, denn das Hauptgebäude des Krankenhauses war keineswegs ein Pavillonbau, sondern wird durch ein mehrgeschossiges repräsentatives Bauwerk gebildet. Um dieses Gebäude herum waren verschiedene weitere angeordnet, u.a. ein freistehender OP-Pavillon und ein Schwesternwohnheim. Auch wurde das Krankenhaus nicht 1938 zerstört, sondern erst 1939 enteignet und anschließend als öffentliches Krankenhaus und Lazarett genutzt; ab 1943 erlitt es Kriegszerstörungen. Durch Umbauten – vor allem das Einziehen einer Zwischendecke – verschwand der Synagogenraum zeitweilig. Später erfolgte der Einbau zahlreicher kleiner Räume, die zunächst u.a. als Notwohnungen dienten und später von der öffentlichen Verwaltung genutzt wurden. Im Zuge einer Sanierung und Restaurierung des Hauptgebäudes wurde er in vereinfachter Form als Sitzungs- und Veranstaltungssaal ("Betty-Heine-Saal") wiederhergestellt. Dabei wurden sowohl alte Farbfassungen als auch der Standort des Lesepultes dokumentiert und wieder sichtbar gemacht.
Verlässlicher ist die Beschreibung in R LANGES "Architekturführer Hamburg" (1995), in dem es heißt: "Ehem. Israelitisches Krankenhaus, Simon-von-Utrecht-Str. 4 a-f, St. Pauli; Architekten: Johann Hinrich Klees-Wülbern; Mitarbeiter: Julius Theodor Hardorff (Ursprungsbau), Ernst Friedheim (Umbau und Pavillonbauten). Distel & Grubitz (Neubau der chirurgischen Station und Umbauten). Alfred Freudemann (Wiederaufbau). Karries-Hartmeyer-Dreyer (Restaurierung). 1840, 1841-43; Umbau und Pavillonbauten 1901-04; Neubau der chirurgischen Station und Umbauten 1929-31; Zerstörung 1943; Wiederaufbau ab 1947; Restaurierung 1987-90 – .
Das Israelitische Krankenhaus, 1839 von Salomon Heine zu Ehren seiner Frau Betty Heine gestiftet, konnte 80 bis 100 jüdische, aber auch christliche Patienten aufnehmen. Mit Wasserklosetts, die den Krankensälen direkt zugeordnet waren, und einem ausgeklügelten Entlüftungssystem war das Gebäude für seine Zeit als fortschrittlich zu charakterisieren. Wiederholte Umbauten und Erweiterungen – u.a. der bemerkenswerte Eingangspavillon von 1930 und der Neubau der chirurgischen Station an der Hein-Hoyer-Straße, beide Distel & Grubitz – gewährleisteten, dass es auch noch im 20. Jahrhundert seinen Zweck erfüllen konnte, bis es 1939 der Stadt Hamburg übergeben werden mußte. Im selben Jahr wurde auch die Synagoge im ersten Obergeschoß des Mittelrisalits zerstört, wobei die Frauenempore hinter einer Zwischendecke verschwand, die erst 50 Jahre später wieder beseitigt wurde.
Der langgestreckte Putzbau stellt mit seiner Lisenengliederung, den Rundbogenfriesen und dem sparsamen Fugenschnitt ein charakteristisches Beispiel für den 'Rundbogenstil' der Gärtner-Schule dar. Der aktuelle Zustand ist das Ergebnis des Wiederaufbaus, bei dem das ehemals stattliche Gebäude seine gedrückten Proportionen erhielt, weil auf die Wiederherstellung der Doppelgiebel auf den Seitenrisaliten und der Drempel verzichtet wurde. Lediglich die nach dem Zweiten Weltkrieg gerade vermauerten Rundbogenöffnungen der Fassade und die schon 1939 zerstörten Zwillingsfenster und Oculi des Synagogenraums wurden in den 80er Jahren rekonstruiert, nicht zuletzt, um die ehemals sakrale Bedeutung des Gebäudezentrums wieder in Erinnerung zu rufen (heute Ausstellungs- und Veranstaltungsraum). Die übrigen Räume sind in Büros für die Sozialbehörde aufgeteilt."
(siehe: Lange, 1995: S. 91, "C22")
Auf die Motive zur Anlage des Krankenhauses an dieser Stelle geht Hermann HIPP in seinem Kunst-Reiseführer Hamburg ein: "Damals [d.h. um 1820] lag das Gelände nördlich der Reeperbahn noch frei im Grünen und wurde der dort herrschenden frischen Luft halber als Standort ausgewählt für das Deutsch-Israelitische Krankenhaus (…), das der Bankier Salomon Heine 1841-43 bauen ließ."
Er fährt fort: "Die Pläne entwarf Johann Hinrich Klees-Wülbern, der zur gleichen Zeit die Tempel-Synagoge in der Neustadt baute. Die Rundbogenstilfassade mit Mittelrisalit ist eingebunden in die moderne Architektur dieser Zeit – baulich ein Stück Emanzipation der Juden in Hamburg (einfühlsam wiederhergestellt 1988-90).
Der nach dem Korridorsystem angelegte Bau war auch krankenhaustechnisch modern und hatte nach Süden gerichtete Krankensäle; den religiösen Bedürfnissen trug er Rechnung durch die Synagoge, die den Mittelteil einnahm. – Der rückwärtige Neubau entstand 1928-30 nach Entwürfen von Distel & Grubitz, die damals unter den Hamburger Architekten als Krankenhausspezialisten galten. – Das Krankenhaus ist eine der Stationen der Hamburger Juden durch die Nationalsozialisten: 1939 geschlossen, wurden die Gebäude von der Stadt 'übernommen' und innen umgebaut. Nachdem lange Zeit der Abbruch geplant war, ist in den letzten Jahren die Instandsetzung eingeleitet worden. …
Das Krankenhaus steht der Lage nach in Tradition des 1606 ebenfalls weit draußen vor der Stadt eingerichteten Pesthofes und späteren Krankenhofes – des ersten städtischen, nicht als kirchliche Stiftung entstandenen Krankenhauses in Hamburg."
(Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3.Aufl./ 1996: S. 251-52.)
Weitere Informationen zur Gründungsgeschichte des Krankenhauses, seiner Tätigkeit bis 1939 und zur späteren Nutzung des Gebäudes enthalten mehrere Publikationen, u.a.:
• "150 Jahre Israelitisches Krankenhaus in Hamburg." (Hamburg: Hartung, 1997.)
• Frank P. Hesse (Redaktion) / Klaus-Jürgen Steinmetz (Dokumentation u. Gestaltung): "Das ehemalige Israelitische Krankenhaus." Hrsg. von der Kulturbehörde Hamburg, Denkmalschutzamt. (Hamburg, 1991.)
Auch im Gebäude gibt es eine sehenswerte Dokumentation zur Geschichte des ehemaligen Israelitischen Krankenhauses und seiner Gebäude, die nach Anmeldung am Eingang zugänglich ist.

siehe auch: Talstraße

 

Sophienstraße
EStH: Ben.[annt] 1838 nach der Schwester des damaligen Patrons der Vorstadt St. Pauli, des Senators Dr. Dammert, Sophie Marie Reimerdes (geb. 1792).
Die Straße wurde zum 1. Januar 1940 im Zuge der Vereinheitlichung der Straßennamen im – nach 1938 geschaffenen - "Groß-Hamburg" in Detlev-Bremer-Straße umbenannt. (Bereits seit 1922 trägt eine Straße im Hamburger Stadtteil Wilstorf den Namen Sophienstraße.)

siehe auch: Detlev-Bremer-Straße

 

Spielbudenplatz, Spielbudenstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), um 1840, nach dem Platz, auf dem sich Künstlerbuden, die sog. Spielbuden befanden. Seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts benutzten den Platz vor dem Millerntor Artisten für ihre Schaustellungen aller Art. Es gab Marionettentheater, Zauberkünstler, Seiltänzer, Kunstreiter und sogar Menagerien. Die auf Kämmereigelände befindlichen Holzbuden hatten sich nach und nach so vermehrt, daß man sie 1875 wegen Feuergefahr durch Massivbauten ersetzte.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Benannt um 1840. Parallel zur Reeperbahn verläuft – mehr als Straße denn als Platz – der so genannte Spielbudenplatz. In den einst hier befindlichen Holzbuden zeigten Straßenkünstler alle Arten von Schaustellungen. Die zunehmende Anzahl dieser Buden wurde allmählich zu einer ernsten Feuergefahr, so dass sie nach und nach durch Steinbauten ersetzt wurden.
Auch Hamburgs berühmteste Polizeiwache, die Davidswache, befindet sich nach wie vor in der Nähe sowie das St. Pauli-Theater und das Operettenhaus."
EStH: Ben.[annt] um 1840 nach den Buden für Schaustellungen, die hier vorher lagen.
HANKE: (1840) Seit 1795 standen an dem Platz vor der Reeperbahn hölzerne "Spielbuden", in denen Seiltänzer, Kunstreiter und Gaukler ihre Triumphe feierten. Es war "das Eldorado der Hamburger Bevölkerung", wie ein Chronist schrieb. So ist es geblieben. Allerdings sind die Spielbuden steinernen Gebäuden gewichen, in denen sich Theater, Kneipen und Läden etabliert haben.
PABEL: Der Platz im Umfeld der Reeperbahn diente seit altersher, zunächst als Konkurrenz zu den Kollegen vom Großneumarkt, ambulanten Händlern, Zauberern, Schaustellern aller Art als Aktionsraum. Anfangs befanden sich dort einzelne hölzerne Buden. Heß beschreibt das Treiben auf dem Rummelplatz so: "Den Weg überlagern auf den Seiten ambulante Boutiquen, die größtenteils von Juden gehalten werden. Schiebkarren mit Bibliotheken, aus denen Bücher stückweise für 4 Schilling verkauft wurden. Salzgurken, Zigarren, Knackwürste usw., als bei- und durcheinander, ein lebendiges Caricatur-Gemälde, der Auslegung eines Lichtenberg würdig" (Heß, Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben; 2. Aufl.; III, S. 47).
Ab 1840 wurden die hölzernen Buden durch festere Bauten ersetzt. Unter den bekannteren Etablissements waren die "Camera Obscura" und der bis in neuere Zeit bestehende "Trichter". Auch ein anderes "optisches Handwerk" hatte hier mehrere Jahrzehnte lang einen Schwerpunkt: Zwischen den 1840er Jahren und dem frühen 20. Jahrhundert hatten zunächst Daguerrotypen und seit Mitte der 1860er Jahre zahlreiche Photographen hier ihre Studios. Schließlich wurde hier 1900 mit "Knopf's Lichtspielhaus" auch Hamburgs erstes Theater für die neuen "bewegten Bilder" eröffnet.
Ab 1836 wurde der Raum zwischen Wilhelm-Straße, Spielbudenplatz, der Ersten Friedrichstraße und der Langen Reihe (St. Pauli) sukzessive bebaut. An der Ecke Spielbudenplatz und Davidstraße wurde 1854 eine größere Wache für das Bürgermilitär eingerichtet, die später zur wohlbekannten Polizeiwache avancierte.
Das bunte Treiben in der Vorstadt vor dem Millerntor verdeutlicht ein um 1846 erschienener Stadtführer, in dem es heißt:
"Vor allem ist dies der Tummelplatz der Matrosen fast aller Nationen, die nach langen mühsamen Reisen in den vielen Wirtshäusern bei Grog und Punsch, bei Tanz und Vergnügungen mit feilen Dirnen, womit die Wirtshäuser zu den Löwen, Sternen und wie sie alle heißen mögen, überfüllt sind, ihre höchste Lust suchen und auch finden. – Diese Häuser, welche durch flatternde Flaggen aller Nationen, schmetternde Trompetenstöße und das Gefiedel einer herzzerreißenden Tanzmusik ihre Gäste einzuladen suchen, feiern ihre Triumphe besonders im Herbst, wo die Matrosen ihren Lohn erhalten. Vorzüglich an Sonntagen herrscht dann hier ein Jubel, der nicht selten durch eine derbe Prügelei zwischen Matrosen und Handwerksgesellen eine hübsche Abwechslung erhält. … Auf dem großen Spielplatze befindet sich jetzt eine Reihe niedlicher Häuser und eine Menge Buden in allerlei Formen, wo Kunstreiter, Schauspieler, Karussell, Seiltänzer, Taschenspieler, Elektrisiermaschinen und wilde Tiere ihr Wesen treiben. … Um aber diesem Gemälde die Vollendung zu geben, so ist dieses Feld mit Trödlern und Schiebkarren übersäet, von denen Würste und Mordgeschichten, Bücher und Käse, neue schöne Lieder und Salzgurken, frische Eier und gedörrte Fischen feil geboten werden." (N.N., Neuester Führer durch Hamburg, Altona und deren Umgebungen. Hamburg, o.J. [ca. 1846]: S. 144 f.)
Offenkundig wurde diese Beschreibung nach der Parzellierung und Erstbebauung der Südseite des Spielbudenplatzes verfasst, die kurz nach dem großen Brand von 1842 erfolgte, um zum Ersatz für die durch den Brand zerstörten Teile der Altstadt beizutragen.
Eine weitere ausführliche Schilderung des Spielbudenplatzes und der näheren Umgebung findet sich bei Albert BORCHERDT (Das lustige alte Hamburg; I, S. 249 ff.).

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrjunderts eröffneten nach "Knopf's Lichtspielhaus" zahlreiche weitere Kinos am oder in der Nähe des Spielbudenplatzes. Der "Hamburg-Führer“ (Herausgegeben vom Fremdenverkehrsverein Hamburg. Landesfremdenverkehrsverband Nordmark e.V. Vierte, völlig neu bearbeitete Auflage. Hamburg, 1936.) nennt insgesamt sechs "Größere Lichtspieltheater …:
Ferrytheater - Spielbudenplatz 23
Knopfs Lichtspieltheater - Spielbudenplatz 19
Millerntortheater - Millerntorplatz 1
Schauburg am Millerntor - Reeperbahn 1
Union-Theater - Spielbudenplatz 8
Welt-Theater - Spielbudenplatz 21."


Eine informative Beschreibung der Geschichte und Funktion des Platzes liefert eine große Informationstafel, die von der Initiative MUSEUMSKAI HAFEN HAMBURG mit Unterstützung des HAMBURGER ABENDBLATTS direkt am Spielbudenplatz aufgestellt wurde. Sie bildet die Station 17 eines Spazierweges am nördlichen Hafenrand. Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" u.a.:
"Die Anfänge des Amüsierviertels
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde St. Pauli zur Heimat von Lotsen und Hafenarbeitern mit ihren Familien. Nachdem die Torsperre im Jahr 1860 aufgehoben worden war entdeckten die Hamburger Bürger das Areal als Freizeitoase. Hier, auf dem Grenzterritorium zwischen Hamburg und Dänemark, war dank der Gewerbefreiheit manches möglich, was in der Stadt undenkbar erschien. Zwischen Davidstraße und Helgoländer Allee weitete sich der östliche Abschnitt der Reeperbahn nach Süden hin zum Spielbudenplatz aus, der Schaustellern aller Art u.a. zum Vorführen von Puppenspielen diente.
In Bretterbuden, Zelten und unter offenem Himmel wurde dem größtenteils aus der Innenstadt durch das Millerntor herbeiströmenden Publikum allerlei Kleinkunst dargeboten. Dieses ungeregelte Treiben erhielt seinen festeren Rahmen, als die Holzbuden ab 1840 einer Randbebauung des Platzes mit soliden Gewerbebauten weichen mußten.
Nur Schaustellern, die sich auf dem Spielbudenplatz als finanziell erfolgreich erwiesen hatten, war es möglich, als Mieter oder Besitzer diese mit Sonderrechten für den Vergnügungsbetrieb ausgestatteten Bauten zu beziehen. Statt Marionetten traten auf den größeren Bühnen dieser Häuser jetzt Tänzerinnen und Soubretten auf. Der 'Circus Gymnasticus', eine Manege für Reitakrobatik, eröffnete 1841 am Spielbudenplatz 1 seine klassizistisch gestalteten Pforten. Etwa 3000 Menschen fanden als Zuschauer der Vorstellungen und als Artisten zu Fuß und zu Pferd darin Platz. Nach einem Brand wurde das hölzerne Gebäude 1877 durch den massiven Theaterbau der 'Central-Halle' ersetzt. Hier hatte im Jahre 1911 der bis heute populär gebliebene St. Pauli-Hit 'Auf der Reeperbahn nachts um halb eins' Premiere. Direkt am Millerntor-Platz bildeten die 'Central-Halle' und, ihr gegenüber, 'Ludwig's Concerthaus' bis zum 2. Weltkrieg die markanten Flanken des Eingangs nach St. Pauli. Der Geist der 'Belle Époque' durchströmte das 1889 eingeweihte Konzerthaus (Reeperbahn 98) mit einem Orchesterpodium für 800 (!) Musiker. Zur Ausstattung gehörten außerdem eine große Orgel, Kegelbahnen und ein Wintergarten mit einem 17 Meter hohen Wasserfall. Die Bomben des 2. Weltkrieges vernichteten die Festhalle und hinterließen ein Brachland, auf dem 1966 das 23-stöckige 'IDUNA-Hochhaus' gebaut wurde. Nach einer aufwendigen Asbestentsorgung wurde das Hochhaus am 19. Februar 1995 mit einer spektakulären Sprengung beseitigt. Das anschließend entstandene Büro- und Geschäftshaus der Architekten Kleffel / Köhnholdt will als ausgedehnter Baukomplex wiederum markantes Eingangszeichen zur Reeperbahn und der parallel laufenden Straße am Spielbudenplatz sein.
Katzen, Gorillas und andere Dschungelkämpfe
Auch der Reich ornamentierte Theaterbau der 'Central-Halle' auf der anderen Seite des Spielbudenplatzes wurde im Krieg zerstört. Heute setzt das wellblechverkleidete 'Operettenhaus' mit dem Musical 'Cats' die Tradition der musikalischen Aufführungen an dieser Stelle fort. Auch die 'Wilhelmshalle' auf dem rechts angrenzenden Grundstück blieb vom Krieg nicht verschont. Die Räumlichkeiten teilten sich ab 1889 eine Bierschankwirtschaft und das 'Hamburger Panoptikum', das auch heute noch in einem Neubau an gleicher Stelle Wachsfiguren prominenter Persönlichkeiten ausstellt.
Naturalienkabinette waren die Attraktionen der Häuser mit den Nummern 8 bis 15. Hier boten Seeleute lebende und präparierte exotische Tiere aus Überseegebieten zum Kauf oder zur Besichtigung an. Besuchermagnet im 'Umlauff'schen Weltmuseum' war ein im Jahr 1900 in der Kolonie Kamerun erlegter und anschließend ausgestopfter Riesengorilla. Gleichzeitig geriet dort die Vorführung von 'Dschungelkämpfen' zwischen eigens nach Hamburg gebrachten Angehörigen afrikanischer Stämme zur Sensation.
Auch Hagenbecks Erfolgsgeschichte begann am Spielbudenplatz. Am 6. März 1848 stellte der Fischhändler Gottfried Claes Carl Hagenbeck in Holzbottichen sechs Seehunde aus, die seinen Lieferanten zufällig in die Netze geraten waren. Das war das Gründungsdatum der Firma Hagenbeck, die später als Tierhandlung, Zirkus- und Tierparkunternehmen bekannt wurde. Carl Hagenbeck, der Sohn des Fischhändlers erwarb 1863 die Parzelle Spielbudenplatz 19, um die Tiere unterzubringen, die er aus vielen Ländern bezog. Diese exotische 'Handlungsmenagerie' war – wie der Name zu erkennen gibt – eine Tierhandlung, in der sich das zahlende Publikum die exotischen Kreaturen aber auch ansehen konnte. 1874 zog Hagenbeck zum Neuen Pferdemarkt um, wo dann auch –ähnlich wie im 'Umlauff'schen Weltmuseum' – 'Völkerschauen mit Eskimos, Singhalesen, Nubiern und anderen ethnischen Gruppen gezeigt wurden. Weltberühmt wurde Hagenbeck mit seinem 1907 in Stellingen eröffneten Tierpark, in dem die Tiere nicht mehr in Käfigen, sondern in 'Panoramen' präsentiert wurden, die dem Publikum die Illusion der 'freien Wildbahn' vermittelten. Carl Hagenbecks Schwester Christiane blieb am Spielbudenplatz 19, wo sie – ab 1885 in einem stattlichen Neorenaissancegebäude – eine Vogelhandlung betrieb. Heute befindet sich in diesem Gebäude das Kino 'Docks'.
Eine Theaterlandschaft entsteht
Auf dem Areal der Hausnummern 20 bis 22 standen das Etablissement 'Orchestrion Concerthaus, wo die Musik aus Automaten kam, sowie 'Knopf's Lichtspieltheater'', in dem am 2. Mai 1900 in Hamburg erstmals 'bewegte Bilder' gezeigt wurden. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts hatte sich das Publikum hier bei den plattdeutschen Darbietungen des St. Pauli-Barden Hein Köllisch (1857-1901), des beliebtesten Volkssängers der Hansestadt, amüsiert.
Am eindrucksvollsten erzählt die Fassadenreihe zwischen den Hausnummern 25 und 30 mit ihren üppigen Schmuckelementen von der Glanzzeit der Gründerjahre. Zu nennen sind das Theater 'Varieté', der repräsentative Bau der 'Großen Bierhallen', der heute 'Schmidt's Tivoli' beherbergt und schließlich das St. Pauli-Theater, dessen Bühnensaal noch aus der Entstehungszeit der Spielbudenplatzbebauung stammt. Damals hieß es noch 'Urania-Theater' und hatte stark unter der Hamburger Torsperre zu leiden, die die Besucher aus der Innenstadt zwang, noch vor dem Torschluß um 22 Uhr hinter die innerstädtischen Stadtmauern zurückzukehren." Erst nach Aufhebung dieser Vorschrift florierte das Geschäft. Als der Schauspieler Ernst Drucker 1884 das Theater erwarb und neue Volksstücke einstudierte, erlebte die Bühne, die bald seinen Namen trug, ihre größte Zeit.
Die Davidwache – Deutschlands berühmteste Polizeistation
Schon 1840 beschloß der Hamburger Senat, eine Polizeiwache für St. Pauli zu errichten. Als Bauplatz bestimmte man ein kleines Grundstück an der Ecke Davidstraße / Kastanienallee. Vier schmächtige Holzpfeiler, die wohl Säulen darstellten, sollten dem winzigen Holzhäuschen den Charakter einer Behörde verleihen. Schon bald mußten sich die hier Dienst tuenden Schutzleute mit der 'Vernichtung von Obszönen Bildern' und Fällen von 'Übervorteilung öffentlicher Mädchen' befassen. Je mehr sich der Vergnügungsbetrieb von St. Pauli entwickelte, desto mehr stieg auch die Kriminalität an. Darauf reagierte der Senat mit der Entsendung zusätzlicher Ordnungskräfte, die aber in der kleinen Wache kaum noch unterzubringen waren. Erst 1868 wurde durch den Abzug einer Militäreinheit die Soldatenwache am Spielbudenplatz frei. Dieser klassizistische Bau stand an der Stelle der heutigen Davidwache mit der Hausnummer 34 und diente der Polizei bis 1912 als Station, an der das Auge des Gesetzes den strategisch wichtigen Übergang zwischen 'St. Lustig' und 'St. Liederlich' überwachte.
Doch die exponierte Lage, die die Polizisten schätzten, war den Gewerbetreibenden entlang der Reeperbahn und des Spielbudenplatzes ein Dorn im Auge. Durch die deutliche Präsenz der Obrigkeit befürchteten sie negative Auswirkungen auf die Stimmung der Kiezbesucher. Mit Eingaben beim Senat versuchten die Geschäftsleute vergeblich, die aufgrund der Platzprobleme geplante neue Wache aus dem Vergnügungszentrum zu verdrängen. 1913 / 14 entstand der Neubau auf dem Grundstück des abgerissenen Vorgängergebäudes.
Der Architekt – Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher – schuf jeweils separate Diensträume für Schutzpolizei, Kriminalpolizei und Sittenwacht sowie sichere Arrestzellen. Bei der Außengestaltung zollte man dem Argwohn der St. Paulianer Tribut, indem man statt der streng wirkenden Säulenfront des Vorgängerbaus eine heimelige Backsteinfassade mit farbig glasierter Baukeramik wählte. Selbstironisch schmückt sich die Polizeiwache mit behelmten Tonköpfen, die aus den beiden Erkern an der Längsfront auf die Prostituierten an der gegenüberliegenden Seite der Davidstraße starren. Über allem ruht ein Mansardgiebeldach, das dem auch durch Kriminalfilme berühmt gewordenen Gebäude den Charakter eines althamburgischen Kaufmannshauses verleiht.
Polizeialltag heute
Heute verrichten hier 120 Beamte ihren Dienst und überwachen in vier Schichten das mit 0,85 Quadratkilometern kleinste, aber 'heißeste' Revier Hamburgs. 450 Etablissements jeglicher Güte und Größe sowie 2000 Prostituierte warten in dem zu überwachenden Gebiet zwischen Nobistor und Bismarckdenkmal sowie zwischen Fischmarkt und Clemens-Schultz-Straße auf Kundschaft, die vor allem an den Wochenenden zu Tausenden auf den Kiez strömt."


Einige ergänzende Informationen zum Operettenhaus findet man bei SCHREIBER / WALDEN (in: "Hamburg-St. Pauli", 2008: S. 32):
"Am östlichen Anfang des Platzes entstand der 'Circus Gymnasticus', in dem bis zu 3.000 Besucher Kunstreiter in Aktion bestaunen konnten. Nach einem Brand von 1876 wieder aufgebaut, eröffnete hier 1904 das 'Neue Operettentheater, das von 1920 bis 1935 als 'Operettenhaus weitergeführt wurde […] zwischen 1935 und 1939 [zeigte hier] das 'Eden-Theater' Varietéprogramme […]. 1945 zerstört, 1953 wieder eröffnet, wurde das Operettenhaus 1981 umgebaut. … Direkt daneben befindet sich seit 1889 Deutschlands ältestes und größtes Wachsfigurenkabinett, das 'Panoptikum'."
Auf die jüngste Umgestaltung des Platzes geht die Broschüre "Hamburgs Grün" ein:
"Die Reeperbahn ist seit langem nicht nur als Hamburgs sündige Meile, sondern auch als Theater- und Musicalstandort bekannt. Und wo sich eine Bühne an die andere reiht, scheint es logisch, dem Schauspiel auch im Außenraum einen gebührenden Platz einzuräumen.
Die Gestaltung des Spielbudenplatzes, geplant vom Landschaftsarchitekturbüro LÜTZOW 7 [Berlin], ist schlicht und alltagstauglich. Begrenzt wird der Platz an beiden Enden von erhabenen, baumbestandenen Terrassen. Treppen führen auf diese erhöhten Sitzplätze, die zudem als Kleinstbühnen fungieren könnten. In der Mitte befindet sich eine große Fläche mit zwei verschiebbaren Freilichtbühnen. Diese beiden Metallbauten können maschinell auf durchgehenden Schienen aneinander geschoben werden, und ihr 'Zusammentreffen' ist theoretisch an jeder Stelle auf dem Platz möglich.
An gewöhnlichen Tagen haben angrenzende Kneipen und Cafés hier Tische und Stühle stehen, teilweise mit Palmen geschmückt. Dort lässt es sich gut auf die Aufführung in den angrenzenden Spielstätten warten oder nach einem Marsch entlang der Reeperbahn ausruhen."
(Siehe: Hamburgs Grün, 2007: S. 22)
Bei genauerer Betrachtung wird erkennbar, dass der Spielbudenplatz an seiner südlichen Seite von einem Straßenraum begleitet wird: der sog. "Spielbudenstraße". Sie bildet jedoch keine amtlich bezeichnete Verkehrsfläche und ist bereits vor Jahren in die Platzfläche integriert worden, so dass sie Kraftfahrzeuge nicht mehr durchgängig befahrbar ist. Anrainer dieser Straße sind u.a. das neue Schmidt-Theater, das St. Pauli-Theater und die Davidwache. Nähere Informationen zu den Theatern finden sich im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE, in dem es heißt:
"Theater am Spielbudenplatz: –
Schmidts Tivoli, Spielbudenplatz 27-28, St. Pauli. Architekten: Bahre & Querfeld. 1890; Umbau 20er Jahre; Restaurierung 1991. –
St. Pauli-Theater, Spielbudenplatz 29-30, St. Pauli. Architekt: Franz Jacobssen (Umgestaltung). 1840/41; Umgestaltung 1898. –
Eine besondere denkmalpflegerische Trouvaille stellt 'Schmidt's Tivoli' dar, das noch vor ein paar Jahren unter dem Namen Zillertal krachlederne Rustikalität versprach. Das Alpendekor aus den 20er Jahren bildete zwar ebenfalls schon einen schützenswerten Bestand, wurde dann aber doch entfernt, weil sich darunter die weitaus attraktiveren Wandbilder von 1890 verbargen. Auch mit dem St. Pauli-Theater isst noch eine historische Saalarchitektur überliefert, nämlich das 1841 eröffnete Urania-Theater, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine heutige Neorenaissancefassade erhielt. Ihr repräsentativer Anspruch macht deutlich, daß die Vergnügungsstätten auf der Reeperbahn durchaus auch gutbürgerliche Schichten ansprechen wollten – bis das Klischee von der 'sündigsten Meile der Welt' immer stärker zu einem Niedergang der traditionellen Unterhaltungskultur führte."
(siehe: Lange, 1995: S. 97/98, "C24.1" / "C24.2")
Eine Besonderheit bildet die Verwaltung des Platzes: Die Betreiber des "Schmidt’s Tivoli", des Panoptikums und weiterer Betriebe am Spielbudenplatz haben sich zu einer Betriebsgesellschaft zusammengeschlossen, die für das Nutzungs-Management, die Sicherheit und die Reinigung des Platzes zuständig ist und dort das Hausrecht ausübt. Diese Regelung führte immer wieder zu Kritik an den zuständigen Hamburger Behörden, da der Platz unter Einsatz erheblicher öffentlicher Mittel – vor allem von Fördermitteln der Europäischen Union aus dem EFRE-Strukturfonds (Europäischer Fond zur regionalen Entwicklung) – hergestellt worden war. Um diese Kritik zu entkräften wurde ein Beirat, bestehend aus Vertretern der Betreiber, verschiedener Fachbehörden, politischer Parteien, Anwohnern und Gewerbetreibenden, eingerichtet Zudem sind – nach anfänglichen Problemen – kaum noch Nutzungseinschränkungen erfolgt, was jedoch häufig zu einem eher unansehnlichen und ungepflegten Erscheinungsbild des Platzes beiträgt.
Dass es auch der "Obrigkeit" bereits früh angezeigt erschien, ein wachsames Auge auf das Vergnügungsviertel zu halten, belegt das wenige Meter von den Theatern entfernt zu findende eindrucksvolle Gebäude des Polizeikommissariats 15, das unter der Bezeichnung "Polizeirevier Davidwache" internationale Bekanntheit genießt. Es ersetzte eine älteres kleineres Wachgebäude und wurde von seinem Erbauer, dem damaligen Leiter des Hochbauwesens und Baudirektor Fritz Schumacher, selbst als "festungsartig" bezeichnet, obwohl es gerade an der Seite zur Davidstraße durch die beiden, auf fünf Konsolen ruhenden und mit farbig glasiertem Terrakotta-Schmuck versehenen, Erker reich verziert ist.
Zur Architektur und ihrer Funktion als Repräsentation der Staatsmacht findet man bei R. LANGE im "Architekturführer Hamburg" (1995) folgende Informationen:
"Davidwache, St. Pauli. Architekten: Hochbauwesen, Fritz Schumacher. 1913/14. –
Der Bürgerhausgiebel und die dunklen Klinkerfassaden, akzentuiert durch Erker, die mit glasierten Terrakotten, z.B. Köpfe von römischen Legionären (Richard Kuöhl), geschmückt sind, machen die legendäre Polizeiwache noch heute zu einem Fremdkörper am Spielbudenplatz. Die klar umrissene Gebäudeform mit dem voll ausgebildeten Dach lässt kaum vermuten, daß es Schumacher hier gelungen ist, ein überaus komplexes Raumprogramm in den Baukörper zu integrieren, nämlich neben Diensträumen für die Wache selbst auch noch eine Dienststelle der Kriminalpolizei, eine Meldestelle und einen sittenpolizeilichen Untersuchungsdienst, die zudem noch über separate Eingänge und Treppenaufgänge verfügen mussten, ebenso wie die beiden Dienstwohnungen im Dachgeschoss."
(siehe: Lange, 1995: S. 98, "C25")
Eine ausführliche Beschreibung des Gebäudes, seiner Geschichte und des Polizeialltags im Vergnügungsviertel liefert der inzwischen in drei Auflagen erschienene Band "Die Davidwache: das berühmte Polizeirevier." von Ingeborg Donati und Thomas Metelmann (Hamburg: Verlag Am Galgenberg, 3. Auflage / 1991).
In den 1990er Jahren war das Gebäude jedoch endgültig zu klein geworden, so dass es durch einen – am 4. April 2005 eingeweihten – Anbau an der, zur Kastanienallee ausgerichteten, Rückseite erweitert wurde. Dieser Anbau führte dazu, dass ein großes Wandbild an der westlichen Giebelwand des benachbarten Hauses in der Kastanienallee, das eine Dilukai-Figur aus Mikronesien zeigte, wieder verschwand. Es war im Jahre 2000 von den Künstlern Kai Teschner und Samuel Mbingilo geschaffen worden und wurde auch als "Schutzgöttin der Prostituierten", die nach wie vor jeden Abend ihre Plätze in der Davidstraße einnehmen, interpretiert.
Unter den zahlreichen Fundstellen, an denen man im Internet Informationen zur Entwicklung, Bebauung und Nutzung des Spielbudenplatzes findet, gehört auch der Artikel der Internetenzyklopädie Wikipedia zur Reeperbahn (sic!). Dort heißt es zur jüngeren Geschichte des Spielbudenplatzes:
"Schon seit den 1960er Jahren wird über eine Umgestaltung des zentralen Spielbudenplatzes diskutiert, um diesen Platz auf dem Kiez wiederzubeleben. Zunächst wurden Ende der 1960er Jahre ein- bis zweigeschossige Pavillons errichtet, wie sie auch in Einkaufszentren dieser Zeit üblich waren. Es siedelten sich zunächst verschiedene (Fastfood-)Gaststätten, Freizeitclubs (mit Billard, Tischfußball und ähnlichem) sowie kleinere Läden für Bekleidung, Andenken, Postershops etc. an. Jedoch entstanden durch die stark unübersichtlich verwinkelte, enge Passage große Hygiene- und Sicherheitsprobleme, wodurch viele Geschäfte, besonders im mittleren Bereich schnell wieder geschlossen wurden und nicht wieder vermietet werden konnten. Dadurch entwickelte sich der Spielbudenplatz zunehmend in einen peinlichen Schandfleck. Ende der achtziger Jahre wurden die dortigen Pavillons abgerissen, und die rund 300 m lange Fläche blieb oftmals ungenutzt. Nach kontrovers diskutierten Vorschlägen (u. a. eine Installation mit zwei Kränen von Jeff Koons), wurde im Dezember 2004 ein Plan mit zwei einander gegenüber liegenden beweglichen Bühnen, auf denen regelmäßig Veranstaltungen stattfinden sollen, durch die Stadt Hamburg beschlossen und umgesetzt. Am 2. Juni 2006 wurde der 9,7 Mio € teure Umbau von Spielbudenplatz und Reeperbahn offiziell eingeweiht."
(siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Reeperbahn_%28Hamburg%29; Abschnitt: "Sehenswürdigkeiten").
Eine auf den ersten Blick kaum zu entdeckende Besonderheit des Platzes bildet die zweigeschossige Tiefgarage unter seiner Oberfläche. Details zu ihrer Geschichte enthält die Veröffentlichung des Denkmalschutzamts der Hamburger Kulturbehörde mit dem Titel "Bunker" (Hamburg, 2001):
"Der größte derartige [unterirdische] Luftschutzbau in Hamburg ist die heute als Tiefgarage genutzte Anlage Reeperbahn / Spielbudenplatz. Bemerkenswert ist – und offenbar einzigartig im 'Deutschen Reich' geblieben –, dass von vornherein die Friedensnutzung als Großgarage für die Aufnahme von 430 Autos geplant war. 200 m lang und 21,40 m breit, bot die zweistöckige Anlage Sitzplätze für 5.000 Personen, wobei bei Angriffen tatsächlich 15.000 – 20.000 Personen Schutz suchten. Die Wand und Deckenstärken entsprechen mit 1,80 m bzw. 1,40 m den für bombensichere Tiefbunker vorgeschriebenen Anforderungen der 'Anweisung für den Bau bombensicherer Luftschutzräume' vom November 1940 für eisenbewehrte Wände und Decken."
(SCHMAL, Helga / SELKE, Tobias: Bunker. Luftschutz und Luftschutzbauten in Hamburg. Unter Mitarb. von Henning Angerer. Kulturbehörde der FHH, Denkmalschutzamt; Themenreihe, Band 7. Hamburg: Christians-Verlag, 2001: S. 64.)
Tatsächlich blieb ausgerechnet die Tiefgarage von Bombentreffern im 2. Weltkrieg nahezu vollständig verschont, während fast die gesamte umgebende Bebauung Bombentreffern oder Feuern zum Opfer fiel. Fast alle übrig gebliebenen Bauten aus der Vorkriegszeit bzw. ihre zerstörten Reste wurden inzwischen abgebrochen, so dass die Davidwache, das St. Pauli-Theater und die Fassade des alten St. Pauli-Bades (allerdings verdeckt durch ein Baugerüst) die letzten Reminiszenzen an die Gründerzeit bilden. Operettenhaus (heutiges Gebäude aus dem Jahre 1981) und Panoptikum (heutiges Gebäude in seiner Grundgestalt aus den 1950er-Jahren) sind zwar ihren Standorten treu geblieben, jedoch in neuen Bauten. Die mehr als ein Jahrhundert lang für den Platz charakteristischen "Buden" haben in Gestalt der beiden fahrbaren Bühnen mit ihrer LED-Beleuchtung eine moderne Nachfolge gefunden.

siehe auch: Reeperbahn

 

[Beim] Sprützenhause
Auch: Beim Spritzenhaus.
EStH: Ben.[annt] um 1835 nach dem in der Zweiten Friedrichstraße belegenen Sprützenhause.
Die nur wenige Meter lange Straße zwischen Erich- und Friedrichstraße östlich des damaligen Paulsplatzes (heute: Hein-Köllisch-Platz) verschwand bei Wiederaufbau des Gebietes nach dem 2. Weltkrieg bzw. im Zuge des Stadtumbaus in den 1970er-Jahren, bei dem die westlichen Abschnitte von Friedrich- und Erichstraße und ihre Einmündungen in den Platz aufgehoben wurden, vollständig.

 

Sternschanze
BECKERSHAUS: (Rotherbaum), ben. 1870 als "An der Sternschanze" wegen der Lage der Straße am Fuß des ehemals von der Sternschanze eingenommenen Geländes, verkürzt 1899.
EStH: Ben.[annt] 1870 als An der Sternschanze wegen der Belegenheit der Straße am Fuße des ehemals von der Sternschanze eingenommenen Geländes, verkürzt 1899.
PABEL: Die vorgeschobene Verteidigungsstellung im Nordwesten der Stadt, 1682 errichtet, 3550 Fuß vom Hauptwall entfernt, benannt nach den sternförmig angelegten Seiten. Sie war durch einen verdeckten Gang mit dem Ravelin Carolus verbunden. Ihre Feuerprobe bestand sie während der Belagerung durch die Dänen im Jahre 1686.
In einer Publikation des "Statistischen Bureaus der Steuerdeputation“ aus dem Jahre 1875 heißt es zur Sternschanze (S. 14): "... südlich vom Papenlande, war ein im Jahre 1682 angelegtes starkes Aussenwerk, durch einen Laufgraben in der Richtung der Strasse zwischen den Kirchhöfen mit den städtischen Befestigungen verbunden, welches sich 1686 in der dänischen Belagerung bewährte und einer Beschiessung und Erstürmung erfolgreich widerstand. 1806 demolirt, wurde die Sternschanze 1813 von den Franzosen wieder hergestellt, nach dem Frieden aber für immer beseitigt und planirt. Zwei alte Bäume bezeichnen die Stelle des Wachthauses der Schanze. Das planirte, unbebaute Terrain diente lange zum Exerzierplatz, bis im Jahre 1863 ein Hoch-Reservoir der Wasserkunst, später ein Bahnhof der 1866 eröffneten Verbindungsbahn mit Viehhof und 1869 die Zollvereinsniederlage hierher verlegt und das übrige Terrain mit Strassen durchzogen und zum Theil mit Anlagen versehen wurde."
Die Anlage der nordwestlichen Außenbastion der barocken Wallanlagen erfolgte 1682 innerhalb weniger Monate auf der Feldflur des "Heydbergs von Heymichhude", die 1647 vom Kloster in Harvestehude (Herwardeshude) erworben worden war. Die Seitenlänge der vier Sternstrahlen betrug jeweils 60 bis 70 Meter, die Höhe der Erdwälle ca. 4 Meter. Auf der – von einem 18 Meter breiten Graben umgebenen Bastion wurden 16 Geschütze stationiert. (Weitere Einzelheiten siehe bei: Cipriano F. Gaedechens,: "Das hamburgische Militär bis zum Jahre 1811 und die Hanseatische Legion." Hrsg. vom Verein für Hamburgische Geschichte. Hamburg: Gräfe, 1889 [Sonderdruck aus: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte; Bd. 8.])
Der endgültige Abbruch der Bastion und die Umwandlung in einen Hügel erfolgte auf Beschluss des Hamburger Rathes und der Bürgerschaft vom 16. Dezember 1819. Diesen Hügel durchschnitt in den 1860er Jahren die neu gebaute Verbindungsbahn. Zur selben Zeit wurde dort nach Plänen des Architekten William Lindley ein großes Hochreservoir zur Versorgung der Hamburger Vororte St. Pauli und Eimsbüttel eingebaut, das von 1863 bis 1905 benutzt wurde. Seine Funktion übernahm von 1910 bis 1961 ein darüber errichteter, das dortige Stadtbild prägende, Wasserturm. In diesen Wasserturm wurde – nach jahrzehntelangem Verfall - von 2005-07 ein Hotel eingebaut, das derzeit von der Möwenpick-Kette betrieben wird. Die unteren zwei Geschosse des Hotels liegen in dem 150 Jahre alten Backsteingewölbe, das noch aus der Zeit vor dem Bau des Turms stammt. Dieses wurde vom Teeranstrich befreit und in die eineinhalb Meter starke Fundamentwand wurden Durchbrüche gefräst, um einen Eingang zur tiefer gelegenen Straße Sternschanze zu schaffen. Die hohen Kreuzgewölbe des historischen Wasserspeichers sind nahezu komplett erhalten und saniert worden. Sie sind in einem im Untergeschoss liegenden Café auch (halb-)öffentlich zugänglich.
Der Umbau des Wasserturms und die vorhergehende jahrzehntelange Ungewissheit über eine neue Nutzung führten zu - zeitweilig sehr heftigen - Konflikten zwischen den BewohnerInnen benachbarter Quartiere und städtischen Stellen bzw. verschiedenen Projektentwicklern. Zur Beilegung der Auseinandersetzungen wurde u.a. eine recht ungewöhnliche Kompensationsvereinbarung geschlossen, die eine Zahlung von rund 1 Million Euro (sog. „Wasserturm-Million“) an verschiedene sozio-kulturelle Institutionen und Initiativen aus den umgebenden Stadtteilen vorsah und auch umgesetzt wurde.
An der Straße befanden bzw. befinden sich "zu ebener Erde" auch der erste Sternschanzenbahnhof der 1864-66 errichteten Verbindungsbahn zwischen Hamburg und Altona und der "neue" Sternschanzenbahnhof, von dessen gründerzeitlicher Bahnhofshalle allerdings kaum mehr als das Eingangsbauwerk an der Schanzenstraße geblieben ist.
Das ebenfalls 1864-66 im spätklassizistischen Stil errichtete Gebäude des ersten Bahnhofs Sternschanze ist das älteste Gebäude an dieser Straße. Es liegt ca. 200 Meter östlich des heutigen Bahnhofs auf Straßenniveau, wo bis zur Fertigstellung des erhöhten Bahndamms und der neuen Hallenbahnhöfe der Verbindungsbahn am Dammtor (sog. „Kaiserbahnhof“, an der Sternschanze und an der Holstenstraße im Jahre 1903 auch die Bahngleise verliefen. Das Bahnhofsgebäude besaß ursprünglich eine Fahrkartenausgabe und die üblichen Warte- und Gepäckräume. Nach der Fertigstellung Verlagerung des neuen Bahnhofs wurde das historische Gebäude für Verwaltungs- und Wohnzwecke umgebaut und wird bis heute entsprechend genutzt. Es steht seit 1989 als einziger erhaltener Bahnhof der ersten Verbindungsbahn unter Denkmalschutz.
Ein neuer Hallenbahnhof Sternschanze wurde ab 1899 auf dem aufgehöhten Bahndamm errichtet und am 15. Mai 1903 eröffnet. Er überspannte je zwei Fernbahn- und Vorortbahngleise (heute S-Bahn-Gleise) mit dazwischen liegenden Bahnsteigen und Umsteigemöglichkeiten zur U-Bahn (seit 1912). Außerhalb der Bahnhofshalle befanden sich umfangreiche Güterverkehrsgleise, die sowohl zum Schlachthof (Viehverladungs- und Güterbahnhof an der Budapester Straße) als auch zum ehemaligen Heizkraftwerk „Karoline“ an der Karolinenstraße (Ecke Kampstraße; später: Grabenstraße, heute: Flora-Neumann-Straße) führten. Im Bereich der Tiergartenstraße befand sich seit den 1970er-Jahren zudem ein Bahnsteig für Ausstellungszüge beim Congress-Centrums Hamburg (CCH), der durch ein Ausziehgleis mit dem (Güter-)Bahnhof Sternschanze verbunden war.
Die im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört gebliebene Eisen- und Glaskonstruktion des Hallendaches wurde 1974/75 fast vollständig abgebrochen. Nur an der Schanzenstraße sind noch Teile der alten Schalterhalle erhalten, während die Reste des Zugang zu den Fernbahngleisen und große Teile des früheren Fernbahnsteigs südlich der S-Bahn-Gleise 2006/07 entfernt wurden. Im Zuge der Messe-Erweiterung wurden auch das Gleis zum CCH und der dortige Bahnsteig entfernt.
Bis zur Gebietsreform im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes (1937/38) gehörte das Gebiet zum Stadtteil St. Pauli. Mit der Gebiets- und Bezirksverwaltungsreform des Jahres 2008 gelangte es in den neuen Stadtteil Sternschanze des Bezirks Altona.

 

Sternstraße
BECKERSHAUS: (St. Pauli), ben. 1843, mit Bezug auf den Namen Sternschanze, auf die die Straße zuführt.
EStH: Ben.[annt] 1843 mit Bezug auf den Namen Sternschanze, auf die die Straße zuführte.
PABEL: Führt auf die Sternschanze zu. Sie erhielt ihren Namen im Jahre 1843.
Entlang der Sternstraße ist noch eine Reihe historischer Wohngebäude, wie z.B. die Zollischek-Terrassen, aber auch gewerblicher Bauten des Schlachthofs und seiner Zulieferbetriebe erhalten. Östlich der Einmündung der Straße in den Neuen Kamp findet man ein ehemaliges Pförtnerhäuschen des Schlachthofs, das heute als Kiosk – mit kleiner Außengastronomie auf der historischen Hofpflasterung – genutzt wird. Ebenfalls ein Gastronomiebetrieb hat sich im frühen "HuPf", d.h. dem Hunde- und Pferdeausspannstall, angesiedelt. Dort konnten Mitglieder der Schlachterinnung ihre Pferde und Zieh-Hunde (!) unterstellen, solange sie auf dem Schlachthofgelände zu tun hatten. Nördlich der neuen Schlachthofpassage wurde mit dem sog. "HuPf B" ein modernes Gewerbegebäude – mit Ladennutzungen – und daran angrenzend auf dem Schlachthofgelände ein Produktionsgebäude für einen fleischverarbeitenden Betrieb errichtet. Mehrere unterschiedliche Gewerbebetriebe, sowohl aus der Lebensmittelbranche als auch aus dem Dienstleistungssektor, haben ihren Standort gegenüber der Einmündung der Ludwigstraße in die Sternstraße im ehemaligen Hammel- und Kälberstall.
Das Denkmalschutzamt geht in seiner Beschreibung des Ensembles der Alten Rindermarkthalle und ihrer Umgebung ebenfalls auf das Pförtnerhäuschen ein. Es heißt dort u.a.:
"Sternstraße 2: Schlachthofgelände mit Tradition
Das gut erhaltene Ensemble besteht aus dem Pförtnerhäuschen mit dem Rest der Schlachthofmauer, dem eingeschossigen Hunde- und Pferdeausspann von 1897 sowie der Rinderschlachthalle von 1913 mit dem Standbild 'stürzender Stier' vom Künstler Martin Ruwoldt und dem zum Teil erhaltenen Hofpflaster.
Auf St. Paulis Heiligengeistfeld herrschte traditionell reger Viehhandel. Die Grenzlage zu Altona, Dänemark und Schleswig-Holstein und die guten Transportwege dorthin und zum Hafen begünstigten die Konzentration auf Vieh- und Fleischhandel.
1873 beschloss die Bürgerschaft als Ersatz für den veralteten und zu kleinen Schlachthof in der südlichen Neustadt, einen neuen 'Centralschlachthof' funktionsgerecht zwischen dem Viehhof und dem Viehmarkt in der Vorstadt St. Pauli zu errichten. Erst 1897 waren die wesentlichen Bauten fertig gestellt, wobei Erweiterungen und Neubauten im 20. Jahrhundert erforderlich wurden.
Das Ensemble dokumentiert nicht nur den Industriebau des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts und die Entwicklung von der Neugotik zur Reformarchitektur, sondern vor allem auch die Industrialisierung der Versorgung und die unter hygienischen Gesichtspunkten vorgenommene Modernisierung der Großstadt."

Die Sternstraße bildet seit der Gebiets- und Verwaltungsreform des Jahres 2008 die neue Grenze zwischen den Bezirken Hamburg-Mitte und Altona, obwohl das Gebiet westlich der Sternstraße bis zur Schanzenstraße historisch immer zu Hamburg gehört hatte. Die Bezirksgrenze verläuft so, dass alle Wohnhäuser im Bezirk Altona liegen, während die zum Schlachthofgelände gehörenden Gewerbebauten in Mitte verblieben sind. Die neue Grenzziehung bewirkte auch, dass das – bis Ende 2013 bestehende – "Sanierungsgebiet St. Pauli S 3: Karolinenviertel" nachträglich in zwei Teile in verschiedenen Bezirken geteilt und verschiedenen Bezirks- und Fachämtern zugeordnet wurde, zwischen denen nur ein sporadischer und fragmentarischer Austausch erfolgte.

siehe auch: Zollischek-Terrasse(n)

 

Stinkbüdelsgang
PABEL: "Kein offizieller Name, nur im Volksmund so genannt. Die 19 Steinkaten in der Marktstraße 7 gehörten nicht zu den feinsten Adressen der Neustadt; daher die unzarte Bezeichnung. Nach dem Brand von 1842 als Obdachlosenunterkunft genutzt.
Auch in Barmbek gab es einen Gang dieses Namens, allerdings war auch hier bei der Benennung die vox populi beteiligt. Offiziell handelte es sich um eine zweizeilige Hinterhausreihe (von der Deseniß- zur Rönnhaidstraße), angelegt vom Fischhändler Vorrath (nach Funke, 65)."

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Pabel bei der Verortung dieses Ganges in der Neustadt ein Irrtum unterlaufen, denn die Marktstraße befindet sich im Karolinenviertel im nördlichen St. Pauli und dort ist zwischen den Hausnummern 6 und 10 auch heute noch die zweizeilige Budenreihe vorhanden, während das Vorderhaus der Belegenheit Marktstr. 7-9 im Herbst 2003 dem Abriss durch die neuen Eigentümer zum Opfer gefallen ist, obwohl es zu den ältesten Häusern St. Paulis gehörte und schon in den 1820er-Jahren in einem historischen Reiseführer über "Hamburg und seine Umgegenden" erwähnt worden ist.
Die erhaltene – und ebenso wie Vorderhaus und Hofpflasterung denkmalgeschützte – Budenreihe wurde wohl tatsächlich zwischen 1843 und 1845 errichtet, um sog. "Hülfswohnungen" für durch den Großen Brand vom 5.-8. Mai 1852 obdachlos gewordene Altstadt-BewohnerInnen zu schaffen. Sie wird seit 2006 saniert und modernisiert.

siehe auch: Marktstraße

 

Störtebeker-Straße
Tatsächlich wurde – im Zuge der Umbenennung und Vereinheitlichung der Straßennamen nach Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes (1. April 1938) – auch dem legendären Anführer der Vitalienbrüder, Klaus Störtebeker (hingerichtet 1400 auf dem Großen Grasbrook), zeitweilig die Ehre eines Straßennamens zuteil: Mit Wirkung vom 1. Januar 1940 wurde die vormalige Kieler Straße (heute: Clemens-Schultz-Straße) nach ihm benannt.
In einem Beitrag von Ida-Christine RIGGERT-MINDERMANN im "Hamburg-Lexikon" (in: KOPITZSCH / TILGNER, 1998: 469/70) heisst es über Klaus Störtebeker:
"... (gest. 20.10.1400 [nicht 1402] durch Hinrichtung), Seeräuber. Zusammen mit Godeke Michels (1401 in Hamburg hingerichtet) war der vermutlich aus Wismar stammende Störtebeker der bekannteste Anführer der »Vitalienbrüder«. Sein Vorname ist nicht eindeutig gesichert, erst im 15. /16. Jahrhundert setzte sich »Klaus« in der Überlieferung durch. 1394, als eine englische Klageakte ihn für die großen Verluste englischer Kaufleute durch Kaperüberfälle verantwortlich macht, findet sich seine erste schriftliche Erwähnung als Hauptmann der Vitalienbrüder. In diesem Zusammenhang wird er in den folgenden Jahren fortwährend in englischen Aufzeichnungen genannt. Wann er seine Aktivitäten von der Ost- in die Nordsee verlegte, ist unbekannt. Da er zusammen mit Michels zwischen 1398 und 1400 in größerem Maße von Ostfriesland aus operierte, ist zu vermuten, daß er sich bereits vor 1398 in der Nordsee festgesetzt hatte. Der Überlieferung nach wurde Störtebeker 1400 in der für Hamburg erfolgreichen Schlacht vor Helgoland gefangengenommen und im Oktober mit 30 seiner Leute auf dem Grasbrook enthauptet. (Im Hamburgischen Jahrregister von 1457, der ältesten Chronik der Stadt, wurde die Hinrichtung irrtümlich auf 1402 datiert.)
Während er zu Lebzeiten an Bedeutung hinter Michels zurückstand, setzte ihn die Legende an die erste Stelle. Ein Kupferstich im Besitz des Museums für Hamburgische Geschichte galt lange Zeit als das Porträt Störtebekers. Auf diesen Irrtum gehen die angeblichen Porträts Störtebekers auf zwei Medaillen zurück. Ein von H. Wagner geschaffenes Bronzestandbild wurde 1982 auf private Initiative am Brooktor an der Magdeburger Brücke
[heute im Gebiet der HafenCity] aufgestellt."
Die Umbenennung der Straße in der Zeit des NS-Regimes legitimierte – trotz der wachsenden Bedeutung Störtebekers für das Image Hamburgs und St. Paulis – offenbar die kurz nach dem 2. Weltkrieg erfolgte Löschung dieses Straßennamens. Einige Jahre später erhielt der ein Stück weiter südlich hergestellte neue Straßendurchbruch nach "Neu-Altona" den Namen des legendären Gegenspielers von Klaus Störtebeker und heisst seither Simon-von-Utrecht-Straße, so dass auch im Stadtgrundriss wieder "geordnete Verhältnisse" herrschen: Nicht der "Likedeeler" (hochdt.: "Gleichteiler"), sondern der Repräsentant der stadtstaatlichen Ordnung und des "Hochedlen Rathes" der Kaufmannsrepublik wird durch einen Straßennamen geehrt.

siehe auch: Clemens-Schultz-Straße

 

St. Pauli-Elbtunnel
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BECKERSHAUS: (St. Pauli, Steinwerder), 1907/1911, nach guter Planung wurde am 22. Juli 1907 auf Steinwerder der erste Spatenstich abgetragen. Täglich kam man nur ein bis zwei Meter voran. In den gewonnenen Raum wurden Stahlringe eingebaut, die dann ausbetoniert wurden. Es gab bei diesen Arbeiten zahlreiche Unterdruckkrankheiten. Vier Arbeiter starben sogar an der Taucherkrankheit. Es gab noch verschiedene andere Unfälle, die aber ohne Todesfolge abgingen. Im September 1911 konnten Fußgänger den Tunnel erstmalig benutzen und am 30. November desselben Jahres wurden die Röhren auch für den Fuhrverkehr freigegeben. 1912 benutzten schon 11.167.000 Fußgänger, 66.000 Fuhrwerke sowie 121.000 Radfahrer den Tunnel.
Der "Hamburg - Führer durch die Freie und Hansestadt und ihre Umgebung. Offizieller Führer des Fremdenverkehrs-Vereins Hamburg. Vierte, stark erweiterte Auflage.“ (1926) enthält folgende Beschreibung:
"… Im Jahre 1911 wurde aber der E l b t u n n e l zwischen St. Pauli und Steinwärder eröffnet. In jedem der beiden Schächte von 24 Meter Tiefe und 22 Meter Durchmesser sind zwei Treppen von je 141 Stufen eingebaut für den getrennten Auf- und Abstieg. Die beiden Tunnelröhren liegen 21 Meter unter dem Hochwasser der Elbe und haben einen Durchmesser von 6 Metern. Wer die Treppen nicht steigen mag, kann die Aufzüge benutzen, von denen in jedem Schacht je zwei dem Personen- und je vier dem Fuhrwerk-Verkehr dienen." (a.a.O., S. 33/ 34)
Website:
"Der alte Hamburger Elbtunnel": http://www.lostplaces.de/cms/verkehrsgeschichte/der-alte-hamburger-Elbtunnel.html/

 

St. Pauli-Fischmarkt
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BECKERSHAUS: (Altona-Altstadt, St. Pauli), 1926, der Fischmarkt an der Elbe wurde von Graf von Schauenburg 1664 eingerichtet. Dieser Markt, der jetzt schon einige Jahrhunderte besteht, hat im Laufe der Zeit von den Bauwerken her gesehen sein Gesicht völlig verändert. Geblieben sind die Händler und Sehleute, die nach Sensationen Ausschau halten. Der Platz, den wir heute unter dem Namen Fischmarkt kennen, war zunächst allgemeiner Landeplatz. Als nach dem Bau der Niederbaumbrücke 1880 die Seefischer ihren Lagerplatz nach hier verlegten, nahm der St. Pauli Fischmarkt, der sich mit dem Altonaer Fischmarkt vereinigte, einen bedeutenden Aufschwung.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Benannt 1926. Es handelt sich um einen Markt, der heute ganz mit dem Altonaer Fischmarkt zusammengewachsen ist. Ursprünglich diente der Markt Hamburger Fischern als Anlandeplatz für ihre Fische. Heute ist er jeden Sonntagmorgen ab 5 Uhr Anziehungspunkt für Touristen und Hamburger."
HANKE: (1604) Der Fischmarkt, heute ein von Kneipen und Restaurants umgebener Platz für Fußgänger, wurde 1604 auf Anregung des Grafen Ernst von Schauenburg als Marktplatz für die Altonaer Fischer eingerichtet, die ihr Gewerbe im Laufe der Jahrhunderte zum wichtigsten Erwerbszweig von Hamburgs Nachbarstadt entwickelten. Zu Altona gehört heute auch der benachbarte St. Pauli-Fischmarkt, das Herzstück der bunten Verkaufsmeile, die am Sonntagmorgen von Frühaufstehern geschätzt wird.
Der heutige St. Pauli-Fischmarkt fand erstmals im Jahre 1703 am Elbufer an der Grenze zwischen der Vorstadt Hamburger Berg und der damals dänischen Stadt Altona statt, da hier – rund um die St. Pauli-Kirche – zahlreiche Fischer ansässig waren. Sie boten ihren Fang im Uferbereich zwischen der Mündung des Pepermölenbeks und dem Hornwerk, einer Vorbastion der barocken Großen Wallanlagen, an (heutiger Ort der St. Pauli-Landungsbrücken), wo sich auch die "Thranbrennereien", kleine Werften und Schiffslandeplätze befanden und standen in heftiger Konkurrenz zu den Altonaer Fischern, die jenseits des Grenzbaches am Elbufer zu Füßen der Altonaer Altstadt ihre Produkte feilboten.

 

St. Pauli-Hafenstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1948, als Zugangsweg von St. Pauli zum Niederhafen. – Heute ist diese Straße weit über Hamburgs Grenzen hinaus berüchtigt, weil es den Anwohnern gelungen ist, über Jahrzehnte Negativschlagzeilen in der Presse zu haben.
Diese etwas eigenwillige Deutung wird keineswegs von allen Hamburger/innen geteilt, denn die Häuser und Projekte an der St. Pauli-Hafenstraße sind längst zu einer "Attraktion" geworden, an der kaum ein/e St. Pauli-Besucher/in und keine Stadtrundfahrt achtlos vorübergeht!
Längst hat die Hafenstraße es auch zu einem Eintrag in der offenen Internet-Enzyklopädie Wikipedia gebracht, dem zahlreiche Verweise zu verschiedensten weiterführenden Veröffentlichungen – auch in Filmen und Ton – zu entnehmen sind (http://de.wikipedia.org/wiki/Hafenstra%C3%9Fe). Ein Überblick über die umkämpften Jahre zwischen 1981 und 1991 findet sich zudem unter dem Titel "Chronologie der Hafenstrasse" auf den Webseiten von »nadir.org« (http://www.nadir.org/nadir/archiv/Haeuserkampf/Hafenstrasse/doku.html).
Einen guten Eindruck vom Verlauf der Ereignisse, von den politischen Begleitumständen der Besetzung der Hafenstraßen-Häuser in den 1980er Jahren und ihrer künftigen Nutzung als alternativem Wohnprojekt liefert das Buch "Hafenstraße: Chronik und Analysen eines Konflikts" von M. Herrmann, H.-J. Lenger, J.Ph. Reemtsma und K.H. Roth (Hamburg, 1987). Diskursive und symbolische Aspekte der heftigen politischen Auseinandersetzungen der 1980er Jahre beleuchtet einige Jahre später W. Lehne unter dem Titel "Der Konflikt um die Hafenstraße. Kriminalitätsdiskurse im Kontext symbolischer Politik" (Reihe: Hamburger Studien zur Kriminologe, Bd. 18; 1994).
Ungemein informativ ist auch eine Publikation der "Patriotischen Gesellschaft von 1765", einer traditionsreichen Hamburger Institution "... zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe" (wie ihr vollständiger Name besagt), von 1996 unter dem Titel "Die Hafenstraße: Der Dialog als politischer Weg. Dokumentation und Reflexionen zum Wirken der Dialogkommission der Patriotischen Gesellschaft von 1765". Die Patriotische Gesellschaft dokumentiert in dieser Schrift das Wirken der von ihr begründeten Dialogkommission im Konflikt um die Hafenstraßen-Häuser.
Im gleichen Jahr wurden die – heute teilweise nicht mehr vorhandenen – Wandbilder in der Hafenstraße in dem vom St. Pauli-Archiv (http://www.st-pauli-archiv.de/) herausgegebenen Buch "Zu bunt ..." von Monika Sigmund dokumentiert.
Eine neuere – durchaus in ihrer Perspektive umstrittene – Publikation des Autors Carl-Heinz Mallet ist im Jahr 2000 unter dem Titel "Die Leute von der Hafenstraße: über eine andere Art zu leben“ erschienen (Hamburg: Ed. Nautilus).
Aufschlussreich für eine "gut bürgerliche" Sichtweise erscheint auch der Artikel "Hafenstraße" im "Hamburg Lexikon" (1998), hrsg. von Franklin Kopitzsch und Daniel Tilgner, in dem es heisst:
"Hafenstraße ist als Begriff für ein Dutzend heruntergekommener Mietshäuser an der St. Pauli-Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße entstanden, die zwischen 1981 (damals noch der stadteigenen Wohnungsgesellschaft SAGA gehörend) und 1995 weithin bekannt wurden. Von Angehörigen der Protestszene partiell besetzt, teils renoviert, teils festungsartig verstärkt, durch spektakuläre Bemalung zur Touristenattraktion geworden, bildeten sie jahrelang einen nahezu rechtsfreien Raum, worin Mietzahlungsverweigerung, Energiediebstahl und Gewaltakte ungeahndet blieben. Zahlreiche vor Gericht erwirkte Räumungsbefehle blieben unvollstreckt. Mit immer neuen rechtskonstruktionen versuchte der Senat, sich mit den rund 120 Bewohnerinnen und Bewohnern zu einigen. Bürgermeister K. von Dohnanyi trat 1988 wegen eines Konflikts in seiner Partei, der SPD, über die Hafenstraße zurück. 1995 wurden die Häuser zu einem 'politischen Preis' an eine Genossenschaft 'Alternativen am Elbufer' verkauft. Nicht nur die 'Neue Zürcher Zeitung' sprach von einer 'Kapitulation des Rechtsstaats''. Anderen gilt die Hafenstraße als ein Symbol für Defizite in der Wohnungspolitik einerseits, für den Wunsch junger Leute nach selbstbestimmten Wohnen andererseits. Diese Kreise begrüßten den Verkauf als Beitrag zur friedlichen Konfliktlösung."
("luz" – Helmut Stubbe-da Luz, in: Franklin KOPITZSCH / Daniel TILGNER: Hamburg-Lexikon. Hamburg: Zeise-Verlag, 1998: 195)
Wenige Jahre später heißt es 2002 im Handbuch "Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker." der HAMBURGER SPARKASSE:
"Das Dutzend besetzter Häuser an der St.-Pauli-Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße sorgte unter dem Begriff H a f e n s t r a ß e fast eineinhalb Jahrzehnte für politischen Zündstoff. 1981 zogen Besetzer in die vom Abriss bedrohten SAGA-Häuser ein und blieben trotz mehrfacher Räumungsbefehle dort wohnen. Die teils renovierten Bauten wurden zu einer Mischung aus Touristenattraktion und politischem Spielball, über den 1988 der damalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi stolperte. Erst 1995 gelang eine Einigung mit den rund 120 Bewohnern, nach der die Häuser zu einem 'politischen Preis' an die Genossenschaft ’Alternativen am Elbufer’ verkauft wurde[n].''Acht der zwölf Häuser sind inzwischen renoviert, die letzten vier sollen in den kommenden drei Jahren bezugsfertig sein', schildert Sandra Pohlmann von den 'Alternativen' die Fortschritte. Alle rund 80 Wohnungen sind öffentlich geförderter Wohnraum; die Baukosten betragen insgesamt rund 6,5 Mio. Euro.“ (Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker, 2002: S. 957.)
In wenigen knappen Sätzen, jedoch mit einem verschmitzten Resümee, fassen SCHREIBER / WALDEN (2008) die Entwicklung zusammen:
"Zur Erinnerung: 1981/82 waren mehrere, teilweise zum Abbruch vorgesehene Wohnhäuser an der Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße von jungen Leuten aus der linksautonomen Szene besetzt worden. In der Folge kam es zu ständigen Auseinandersetzungen und Polizeieinsätzen. Inzwischen hat sich die Situation beruhigt. Die nunmehr sanierten Häuser gehören der Genossenschaft 'Alternativen am Elbufer e.G.'. Gerade hat diese einen Wohnungsneubau an der Hafenstraße errichtet – gefördert von der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt." (a.a.O., S. 19)
Die zitierten modernen Darstellungen des "Phänomens Hafenstraße" lassen die historische Entwicklung dieses Abschnitts des Hafenrandes weitgehend außer acht, der bereits seit dem 19. Jahrhundert immer wieder tiefgreifenden Umstrukturierungen unterworfen war: Wie ein Vergleich historischer Karten der Jahre 1836 und 1876 belegt, wurden durch die Neuanlage der Hafenstraße im Jahre 1859 die langgestreckten Grundstücke südlich des Pinnasberges und der Straßen Bei dem Jonas und Bei den Thranbrennereien, die ursprünglich bis an die Elbe reichten, von ihrem Zugang zum Wasser abgeschnitten. Die dort ansässigen Schiffswerften und Bootsbauer mussten auf die Südseite der Norderelbe umziehen, wo sie sich u.a. auf dem Kleinen Grasbrook und Steinwerder neu ansiedelten. Dort konnten die Betriebe expandieren und – nach der Hamburger Werftenkrise der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, die 1838 die Auflösung des Schiffbaueramtes zur Folge hatte – wieder rentabler und damit konkurrenzfähiger arbeiten. Auch viele Zulieferbetriebe, vor allem Ankerschmieden und Segelmacher, folgten ihnen an den neuen Standort, während die Reeper ihr Gewerbe noch einige weitere Jahrzehnte (bis 1883) nördlich der Reeperbahn ausübten.
Abschließend ist zu erwähnen, dass in diesem Teil St. Paulis noch in den 1970er Jahren – ähnlich wie an anderen Bereichen des Hafenrandes – Fischanlandung und -verarbeitung heimisch waren. Inzwischen haben Hochsee- und Küstenfischerei sowie die Fischverarbeitung diesen Standort allerdings längst verlassen und nur noch einige gastronomische Betriebe wie das "Fischerhaus" und die restaurierte Altonaer Fischauktionshalle am Fischmarkt zeugen von dieser – gar nicht so fernen – Vergangenheit.

 

St. Pauli-Landungsbrücken
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Carsten PRANGE schreibt 1998 unter dem Stichwort St. Pauli-Landungsbrücken im "Hamburg-Lexikon" (KOPITZSCH / TILGNER, 1998: 452):
"Vorläufer der zwischen Überseebrücke und Fischmarkt gelegenen Landungsbrücken bildeten weiter stromabwärts gelegene Schiffslandestellen mit hölzernen Zugangsbrücken und großen Pontons für seegängige Dampfschiffe. Wegen des gesteigerten Verkehrsaufkommens, insbesondere des Ausflugsverkehrs, und wegen der Ausweitung der Dampfschiffahrt bedurfte es um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert neuer Schiffsanlegestellen. So entstanden die St. Pauli-Landungsbrücken als An- und Ablegestelle für die im Hafen Beschäftigten und zugleich als Ausgangspunkt für die Unterelbe- und Seebäderschiffahrt. Heute bilden sie vor allem das Zentrum der großen Hafenrundfahrten der HADAG und anderer Anbieter sowie für einen nur noch in beschränktem Maße vorhandenen Fährverkehr. Die St. Pauli-Landungsbrücken mit ihren mächtigen, durch Bogendurchgänge zu den Brückenpontons gegliederten Empfangsgebäude sind 1906-10 nach Plänen der Architekten L. Raabe und R. Wöhlecke errichtet worden. Die Bauplastiken schufen A. Bock. Neben dem Turm mit der Normaluhr am Ostende befindet sich ein Wasserstandsanzeiger, westlich der Anlage der stadtseitige Eingang zum Alten Elbtunnel. Die im zweiten Weltkrieg zerstörten Pontons wurden 1953-55 als Betonkonstruktion mit Oberdeck von W. Hebebrand erneuert."
Die Vorläufer der bis heute weitgehend erhaltenen gründerzeitlichen Bauten waren die bereits 1839/40 und 1861 angelegten Bauten zur Abwicklung des zunehmenden Dampfschiffverkehrs. Westlich dieser Gebäude hatte 1857 die "Hamburg-Amerikanische Packetfahrt Actiengesellschft" (HAPAG) eine eigene Anlegestelle für die Seeschiffe angelegt.
Die St. Pauli-Landungsbrücken sind seit dem 15. September 2003 als Baudenkmal geschützt. Dazu zählt auch der moderne Teil, der an Stelle der im 2. Weltkrieg zerstörten Gepäckhalle errichtet wurde.

 

St. Pauli-Markt- und Landungsplatz
EStH: siehe Markt- und Landungsplatz.

siehe auch: Markt- und Landungsplatz

 

Stresemannstraße (Anfang)
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BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt, Altona-Nord, Bahrenfeld), umb. 1945, nach Dr. Gustav Stresemann (1878-1929), Politiker und Staatsmann, Reichsaußenminister 1923-1929.
HANKE: (1945) Dr. Gustav Stresemann (1878-1929), nationalliberaler Politiker, 1918-29 Vorsitzender der Deutschen Volkspartei, Aug.-Nov. 1923 Reichskanzler, 1923-29 Reichsaußenminister. Vor 1933: Kleine Gärtnerstraße (zwischen Neuer Pferdemarkt und Holstenstraße), 1933-45 General-Litzmann-Straße (zwischen Neuer Pferdemarkt und Holstenstraße).

 

Suezkanal
Volkstümlicher Scherzname für mehrere miteinander verbundene Hinterhäuser an der Ecke Reeperbahn / Hamburger Berg, die vor wenigen Jahren einer Neubebauung weichen mussten. Die mündliche Überlieferung besagt, dass der Name sich auf die verwinkelte Bauweise und die vielen Kinder, die hier wohnten und auf den Höfen spielten, bezog, so dass der Eindruck einer orientalischen Stadt entstand.
Eine prominente Rolle spielt eine gleichnamige Örtlichkeit in dem historischen Kriminalroman "Der gestreifte Affe" von Virginia Doyle (München: Heyne, 2004; TB-Ausgabe, 2005). Sie wird in diesem – Anfang der 1920er Jahre spielenden – Buch als enger und dunkler Hinterhof mit einem schmalen Zugang von der Reeperbahn aus beschrieben, an dem sich einige Bordellzimmer in einer herunter gekommenen Budenreihe befinden. Eine genauere Ortsbestimmung erfolgt nicht.

 

Susannenstraße
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1945, vermutlich nach der ältesten Tochter des Grundeigners Clas Julius Bieber.
EStH: Ben.[annt] 1860 vermutlich nach der ältesten Tochter des Grundeigentümers Claes Julius Bieber.
HANKE: (1860) Susanne Bieber (geb. 1846), Tochter des dortigen Grundeigentümers Claus Bieber.
Anzumerken ist, dass die Susannenstraße in der Zeit des Nazi-Regimes vom 30.1.1934 bis Oktober 1945 die zweifelhafte "Ehre" hatte, den Namen des SA-Gruppenführers Heinrich Dreckmann (Heinrich-Dreckmannstraße) zu tragen, der bei den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten - der sog. "Schlacht an der Sternschanze" - am 7. September 1930 an der Ecke Susannenstraße / Schanzenstraße erstochen worden war. (Quelle: "Erlebnisbericht des SA-Sturmführers Conn aus Hamburg." DHM - Deutsches Historisches Museum, Berlin.)
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt die Susannenstraße seit 2008 administrativ in diesem östlichen Appendix des Bezirks.

 

Sylter Allee
Ehemaliger Name des heutigen nord-südlichen Teiles des Zirkusweges zur Seewartenstraße hin, der zusammen mit dem Weg "Am Elbpark" das Gelände des ehemaligen Hafenkrankenhauses umschloss. Die Straße wurde 1899 im Zuge der Errichtung zahlreicher öffentlicher Bauten (u.a. des 1895 gegründeten Hafenkrankenhauses) in diesem Teil St. Paulis benannt. Der Name verschwand mit der Änderung des Straßenverlaufes des Zirkusweges, dessen südwestlicher Abschnitt im Zuge der Zusammenlegung und gewerblichen Bebauung des Geländes der ehemaligen Bavaria-St. Pauli-Brauerei zwischen Hopfenstraße und Bernhard-Nocht-Straße aufgehoben wurde. Dieser Abschnitt entstand im Verlauf der Neubebauung des ehem. Brauerei-Geländes mit Wohn- und Bürobauten wieder neu. Die frühere Straßenfläche wurde den neu gestalteten und erweiterten Grün- und Freiflächen zugeschlagen.
Bei SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) heißt es zu dieser Straße:
"Neben der Helgoländer Allee besaß St. Pauli früher auch eine Sylter Allee. Auf dieser Straße, die von den Landungsbrücken unter der 'Simon-von-Utrecht-Brücke' zum Zirkusweg hochführte, verkehrten ab 1894 sogar elektrische Straßenbahnen. … Die Sylter Allee verschwand nach dem Zweiten Weltkrieg, als ab 1950 der große Komplex für das Bundesverkehrsministerium, das heutige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, entstand." (a.a.O., S. 16)

siehe auch: Zirkusweg

 

Anmerkungen

[1] siehe: Horst Beckershaus, Die Hamburger Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. (Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997)

[2] siehe: Christian Hanke, Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte. (Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997)

[3] siehe: [Joachim, E.:] Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg. Sonderdruck aus dem 5. Sonderheft der Statistischen Mitteilungen über den hamburgischen Staat: Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebietes nach dem Stande von Anfang Oktober 1925. Hamburg, 1925 (Druck von Lütcke & Wullff).
(Erstmalig: "Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg." = Statistische Mitteilungen über den Hamburgischen Staat. Teil II, S. 51-84. Hamburg, 1925.)

[4] siehe: Reinhold Pabel, Alte Hamburger Straßennamen. (Bremen: Edition Temmen, 2001)

 

Weitere Literatur

Lutz Achilles; Niels Focken; Martin Heimann et al.: "Öffentlicher Nahverkehr im Stadtteil St. Pauli einst und jetzt." (Hamburg, 1995)

Georg Nikolaus Bärmann: "Hamburgische Denkwürdigkeiten. Ein topographisch-politisch-historisches Handbuch für Einheimische und Fremde." (Hamburg, 1. Aufl./1794; 2., völlig neu bearb. Aufl. in 2 Teilen, 1817/20)

Rita Bake: "Wer steckt dahinter? Nach Frauen benannte Straßen, Plätze und Brücken in Hamburg." Hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung (Hamburg, 3. Aufl./2003, 4. akt. u. erw. Aufl./2005)

Maria Dorothea Beck: "Vom Schulterblatt zum Pilatuspool. Zur Deutung und Bedeutung Hamburger Straßennamen." In: Neues Hamburg, VIII (1953), S. 72-74; 109-112.

Otto Behrend: "Einiges über Hamburgs alte Straßennamen." In: Niedersachsen, 7 (1901-02), S. 204-205.

Eduard Beurmann: "Skizzen aus den Hanse-Städten" (Hanau, 1836)

B. Beyland: "Hamburgische Straßennamen der Alt- und Neustadt." (Hamburg, 1925)

Klaus Bocklitz: "Die letzten Erweiterungen der hamburgischen Befestigungsanlage, 1679 und 1682." In: Volker Schmidtchen (Hrsg.): Sicherheit und Bedrohung – Schutz und Enge. Gesellschaftliche Entwicklung von Festungsstädten: Beispiel Stade. (Beiträge zum 6. Internationalen Kolloquium zur Festungsforschung, Stade, 9.-11.Oktober 1987. Schriftenreihe Festungsforschung, Band 6.) Wesel, 1987.

C. Borchling: "Zur Schreibweise der hamburgischen Straßennamen." In: Quickborn, 20 (1926-27), S. 45-46.

Albert Borcherdt: "Das lustige alte Hamburg. Scherze, Sitten und Gebräuche unserer Väter", 2 Bände. (Hamburg, 4. Aufl./1891).

C. Boysen: "Hamburgs Schlachthof- und Viehmarktanlagen." Hrsg. im Auftrage der Schlachthof-Deputation von C. Boysen, Direktor (Hamburg, 1897).

F. G. Buek: "Hamburg und seine Umgebungen im 19. Jahrhundert. Eine Reihenfolge naturgetreuer, in Stahl gestochener Ansichten der Stadt und ihrer Umgegend." Text von F. G. Buek (Hamburg, 1844).

H. Busch: "Aus der Geschichte der ehemaligen Vorstädte und Vororte." In: Ed. Feldtmann, "Geschichte Hamburgs und Altonas" (Hamburg, 1902).

J.F. Danneill: "Wörterbuch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart." (Salzwedel, 1859)

Paul Dittmer: "Plattdeutsche Straßennamen in Hamburg." In: Quickborn, 23 (1930), S. 107.

A. W. Dührsen: "Nobisthor und Nobiskrug." In: Hamburger Nachrichten. Belletristisch-Literarische Beilage, Nr. 49 (1907).

Jürgen Ellermeyer (Hrsg.): "Stadt und Hafen. Hamburger Beiträge zur Geschichte von Handel und Schiffahrt." Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Hamburg; 8 (Hamburg, 1988)

R. Ehrenberg: "Altona unter Schauenburgischer Herrschaft." (Altona, 1891-93)

E. Finder: "Volkstümliche Straßenbenennungen im alten Hamburg" In: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. XIV: S. 115-160.

Peter Freimark; Ina Lorenz; Günter Marwedel: "Judentore, Kuggel, Steuerkonten. Untersuchungen zur Geschichten der deutschen Juden, vornehmlich im Hamburger Raum." Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, Bd. 9. (Hamburg, 1983)

H. Funke: "Geschichte des Mietshauses in Hamburg." (Hamburg, 1974)

Cipriano Francisco Gaedechens: "Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg und ihrer nächsten Umgebungen von der Entstehung bis auf die Gegenwart." (Hamburg, 1880)

Christian Ludwig von Griesheim: "Verbesserte und vermehrte Auflage des Tractats: die Stadt Hamburg nach ihrem politischen, oeconomischen und sittlichen Zustande: nebst Nachtraegen zu diesem Tractate; und Beytraegen zu der Abhandlung, Anmerkungen und Zugaben über den Tractat die Stadt Hamburg, welche selbigen ebenfalls verbessern und gewisser machen." Hrsg. von Christian Ludwig von Griesheim, ehemaligen Fürstl. Gothaischen Ober-Amts-Hauptmann Hof- und Consistorial-Rath. (Hamburg, 1760; nach einer ersten Ausgabe, 1759)

K. Grobecker: "Denkwürdigkeiten und Merkwürdigkeiten im alten Hamburg." (Hamburg, 1991)

Elke Groenewold; Gunhild Ohl: "Von der Wohnung zur Werft: Arbeiterwohnquartier St. Pauli." (Reihe: Historische Stadtrundgänge. Hamburg, 1992)

(H. I. Gude): "Nachricht von der Stadt Hamburg." (Halle, ca. 1690)

Georg Haccius: "Weihefahrt nach dem Hamburger-Berge/ Als auf Obrigkeitlichen Befehl und Ge=heiß die auf demselben New=erbauete Kirche/ als ein Filial des Kirspels [sic!] S. Michaelis, feyerlich eingewei=het/ mit einem eigenen Pastoren versehen/ und mit dem Merck=Namen S. PAULUS benen=net wurde/ so geschehen Anno Christi 1682/ am Tage BARTHOLOMEI, war der 24 Augusti, Donnerstags nach dem 10. TRINITATIS, sambt bey=gefügtem Grundlegungs-Sermon/ Welcher 21. Wochen vorher daselbst gehalten wurde/ zum stets=wehrenden Gedächtnis/ und auf Begehren der Einge=pfarrten zum Abdruck übergeben Von GEORG. HACCIO, L. Past. bey St. Mich. in Hamburg." Gedruckt und zu kaufen bey Arnold Lichtenstein/ Buchdruckern in der Neustadt/voran aufm Millern-Steinwege. (Hamburg, [1682])

A. Hachmann: "Hamburger Straßennamen." In: Hamburger Lehrer-Zeitung, Bd. 12: S. 55 ff.

"Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker. Das HASPA-Handbuch für alle Stadtteile der Hansestadt." Herausgegeben anlässlich des 175jährigen Bestehens der Hamburger Sparkasse. (Hamburg, 2002)

"Hamburg: 20 thematische Spaziergänge." In Zusammenarbeit mit Stattreisen Hamburg. (Hamburg, 2009)

"Hamburgs Grün zwischen Tradition und Trends. Streifzüge durch Parks und Naturlandschaften." Hrsg. v.d. Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der FHH, Amt für Natur & Stadtgrün (Hamburg, 2007).

"Hamburgs Straßenführer" – mit den neuen und alten Straßennamen, neuen Plänen, mit Verkehrsmitteln, Behörden, Postämtern, Polizei etc. (Hamburg, Januar 1939)

Jörg Haspel: "Hamburger Hinterhäuser: Terrassen - Passagen - Wohnhöfe." (Hamburg, 1987)

Jörg Haspel: "Arbeiterquartier Wohlwillstraße." (Hamburg, 1990)

J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. (Berlin, 1909)

Dr. Heinsohn: "Neue Straßenverzeichnisse in Hamburg und Berlin: 1. Das neue Straßenverzeichnis der Hansestadt Hamburg." In: Hamburg in Zahlen. Hrsg. vom Statistischen Landesamt der Hansestadt Hamburg, Jahrg. 1948, Nr. 11 (23.09.1948): S. 3-5.

Jonas Ludwig von Heß: "Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben", 3 Teile (1. Aufl.: Hamburg, 1787-92; 2. veränd. u. erg. Aufl.: Hamburg, 1810-11)

M. Petrus Hesselius: "Hertzfließende Betrachtungen / von dem Elbe-Strom / zur Dankbarkeit gegen Gott geschöpffet darneben allen Schiff-Leuten zu einer geistlichen Zeitvertreibung vermacht; auch Einem jeden Christen in diesem Angst-Meer zu Gute auffgesetzet von M. Petro Hesselio, Pastorn zum Pesthof." Erster Teil. Soli Deo Gloria. (Altona – gedruckt bey Victor de Lieu, in Verlegung des autoris, anno 1675.)

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"Kiek mol – neue und bewährte Stadtteilrundgänge," erarbeitet und aufgeschrieben von Hamburger Geschichtswerkstätten. Hrsg. v.d. Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Red. / verantwortl.: Jens Michelsen. (Hamburg, 1998)

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Matthaei Schlüters ... "Historisch- und Rechts-begründeter Tractat Von denen Erben in Hamburg/ Derer Achterfolgunge und Loeskündigunge der darinn versicherten Gelder: Worinn gehandelt wird von denen Erben/ oder Unbeweglichen Gütern/ dero Zubehör/ Servituten/ Freyheit/ und Gerechtigkeiten; Insonderheit von der Brauerey-Gerechtigkeit/ und dem gantzen Brau-Wesen in Hamburg ... ; Allen Eigenern/ Advocaten/ Procuratoren ... ans Liecht gegeben." (Hamburg: Gedruckt bey Conrad Neumann/ Eines Edlen/ und Hochweisen Rahts Buchdrucker/ Anno 1698.)

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Statistik des Hamburgischen Staats. Zusammengestellt vom statistischen Bureau der Deputation für directe Steuern. Heft II: Ergebnisse der Volkszählung vom 3ten December 1867. Bevölkerung- und Wohnverhältnisse. (Mit beigehefteter Karte: »Plan von Hamburg«.) Statistik der Unterrichtsanstalten von 1869. (Hamburg, 1869)

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"Wegweiser durch Hamburg. Oder Nachweisung aller Gassen, Märkte, Plätze, Kirchen, Stadtgebäude etc. und anderer Merkwürdigkeiten in Hamburg, wie solche nach dem besonders dazu eingerichteten Grundrisse dieser Stadt bequem aufzusuchen sind. Ein Anhang zu den Hamburgischen Denkwürdigkeiten." (Hamburg, 3. berichtigte Aufl./1803)

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Würzer, Heinrich: "Charakteristisch-topographische Fragmente über die Stadt Altona und deren Straßen und Pläzze von einem Reisenden." Mit einem Nachwort von Hans-Werner Engels. (Hamburg, 1996)

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