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Einleitung | Anmerkungen | Literatur

Register mit Erläuterungen und Mitteilungen über Veränderungen (z.B. verschwundene oder umbenannte Straßen)

 

B

Bei den Kirchhöfen
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BECKERSHAUS: (St. Pauli, Neustadt), ein 1794 im Volksmund entstandener Name, als Zugangsweg zu den seit 1794 vor dem Dammtor gelegenen und ab 1879 allmählich geschlossenen Begräbnisplätzen der innerstädtischen und der vorstädtischen Kirchspiele.
EStH: Ben.[annt] im Volksmunde als Zugangsweg zu den seit 1794 vor dem Dammtor ausgewiesenen und seit 1879 allmählich geschlossenen Begräbnisplätzen der städtischen Kirchen.
HANKE: Der Name dieser Straße erinnert an die Friedhöfe der Hauptkirchen, die sich mit Ausnahme von St. Jacobi von 1794 bis 1899 auf Flächen des heutigen Messegeländes und von Planten un Blomen befanden.
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bildete die Straße die südliche und einen Teil der östlichen Begrenzung des Zoologischen Gartens, der sich südlich der Verbindungsbahn befand, und nahm den Verlauf der heutigen St. Petersburger und der Marseiller Straße vorweg. Der südwestliche Straßenabschnitt erhielt 1898 den Namen Jungiusstraße, während der nordöstliche in Richtung auf die Marktstraße verlängert wurde. Er bildete seither eine unmittelbare Verlängerung der Marktstraße nach Nordosten am Alten Botanischen Garten vorbei bis zum Dammtor-Bahnhof.
Der Verlauf der Straße änderte sich zu Beginn der 1980er-Jahre erneut durch die Errichtung weiterer Hallen im südlichen Bereich des Messegeländes. Dieser Erweiterung des Messegeländes fielen auch die Pastorats- und Gemeindegebäude der Kirchengemeinde St. Pauli-Nord mit den Standorten Bei den Kirchhöfen 4 und Holstenglacis 7 zum Opfer. Die beiden Gebäude neben der Gnadenkirche waren bis 1972/73 von der Gemeinde genutzt worden und sollten bereits Anfang 1973 abgerissen werden, um zusätzliche Stellplätze für die Internationale Gartenbau-Ausstellung "IGA '73" zu schaffen. Dieser Plan wurde jedoch durch BesetzerInnen vereitelt, die dort für einige Jahre ein Projekt zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen (mit Tageseinrichtung und einem Angebot von Jugendwohnungen) unterhielten, bevor sie in neue Räume im Karolinenviertel umziehen konnten.
Auf dem heutigen Gebiet der Parkanlage und des Ausstellungsgeländes zwischen Tiergartenstraße, Marseiller Straße, Holstenglacis, Gnadenkirche und Karolinen- bzw. Rentzelstraße bestanden rund ein Jahrhundert lang – zwischen Ende des 18. Jahrhunderts und ca. 1900 – die Friedhöfe der Hamburgischen Hauptkirchen.
Schon 1606/07 wurden nahe der Altonaer Grenze der sog. »Pesthof«, d.h. das Krankenhaus für chronisch Kranke, mit seiner kleinen Kirche und einem eigenen Kirchhof und 1712 die Quarantäne-Station in der Nähe des Standortes der Ölmühle (siehe: Ölmühlenstraße) angelegt. Sie wurde wegen der 1712/13 in Hamburg grassierenden Pestepidemie benötigt, konnte jedoch nur wenig zu einer Verringerung der großen Zahl von Todesopfern beitragen. Im Jahre 1713 war die Situation in der Stadt so prekär geworden, dass man christliche und jüdische Tote gemeinsam in einem Massengrab vor der Stadt beisetzen musste. Dieser Ort lag in der Nähe der heutigen Tiergartenstraße und trug noch lange Zeit den Namen »Pesthügel«.
Die für die innerstädtischen Kirchen Ende des 18. Jahrhunderts angelegten »Kirchhöfe vor dem Dammthor« haben ihren Ursprung in diesem 1713 vor den Wällen angelegten Friedhof für die Pestopfer. Die neuen Auffassung des Aufklärungszeitalters über hygienischen Bedingungen bei Bestattungen und neue »Seuchengesetze« führten dazu, dass ab 1794 zunächst die in der Innenstadt gelegenen Begräbnisplätze der Kirchspiele St. Petri, St. Nikolai und der Klosterkirche St. Johannis, später auch die Friedhöfe von St. Katharinen (1797), St. Michaelis (1799), der Klosterkirche des St. Maria-Magdalenen-Klosters (1805), von St. Gertruden und St. Pauli westlich der Stadt vor den Wällen zusammengefasst wurden.
Dazu berichtet das "Hamburgisches Adress-Buch auf das Jahr 1801" im Abschnitt "Behörden und andere Körperschaften, amtliche Information: Siebenter Abschnitt. [4.] Einige Local-Notizen. Abschnitt a) Nachrichten für Fremde, verschiedene Hamburgische Merkwürdigkeiten betreffend", S. 368:
"B e g r ä b n i s p l ä t z e sind seit einigen Jahren, von den fünf Hauptkirchen, vor der Stadt, besonders vor dem Dammthor angelegt. Sie sind mit Bäumen und Gebüsch malerisch bepflanz, und einige mit Reihen italienischer Pappeln umgeben. Jeder Platz hat seine eigene Todtenhalle, die zweckmäßig erbauet sind. Nur läßt sich der Geschmack der meisten Monumente nicht rühmen."
Der "Hamburg - Führer durch die Freie und Hansestadt und ihre Umgebung. Offizieller Führer des Fremdenverkehrs-Vereins Hamburg. Vierte, stark erweiterte Auflage.“ (1926) weist mit mildem Spott auf die Parzellierung der Friedhöfe bzw. des später parkartigen Geländes hin. Es heißt dort:
"In Hamburg befanden sich die letzten Ruhestätten zunächst bei den Kirchen und dann um die Kirche herum, bis die Bevölkerungszunahme es notwendig machte, diese Kirchhöfe vor die Stadt zu verlegen., was in den letzten Jahren des 18. und den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts geschah. Das Separatistische der einzelnen Kirchspiele behauptete sich auch hier, und so finden sich vor dem Dammtor die Kirchhöfe fein säuberlich zwar nebeneinander, aber noch sind die Hecken erkennbar, durch die sie voneinander geschieden wurden. …
Aber die alten Friedhöfe lagen nicht lange vor der Stadt. Immer weiter baute sich die Stadt aus, über die alten Befestigungen hinaus, über die Wallanlagen und die davor gelagerten breiten Gräben hinweg, bis sie, wie einstmals die Kirchhöfe selbst, wieder mitten in der Stadt lagen. Ihre Ausmaße waren auch viel zu gering, als das sie dauernd die Saat des Todes fassen konnten, und so musste man sich rechtzeitig nach einem neuen Totenfeld umsehen, das man nach langer Ausschau auf dem Weidegelände in O h l s d o r f fand." (a.a.O., S. 51/ 52)
Ihre Nutzung für Bestattungen wurde schließlich zwischen 1879 und 1899 nach Eröffnung des neuen Ohlsdorfer Zentralfriedhofes allmählich eingestellt. Laut §9 der Begräbnisordnung vom 27. September 1882 durften Bestattungen auf den »Begräbnisplätzen vor dem Dammthor, in Eppendorf und in Hamm« generell nur noch maximal 15 Jahre bis 31.12.1895 (gerechnet ab 1. Januar 1880) in Familien-Erbgräbern stattfinden. In Grüften und Mausoleen durften Beisetzungen im Einzelfall mit besonderer Genehmigung auch noch nach diesem Zeitpunkt durchgeführt werden. Mit einer Sondergenehmigung sollten Familienmitglieder noch weitere 10 Jahre in Erbgräbern beigesetzt werden dürfen. Danach sollte von der endgültigen Schließung der Friedhöfe an noch eine 25-jährige Ruhezeit gewährt werden, in der allerdings bereits die "allmähliche Aufhebung der Begräbnisplätze" durchgeführt .werden sollte. Zu den Grabsteinen und Gebäuden heißt es in diesem Zusammenhang: "Die auf den Begräbnisplätzen befindlichen Denkmäler und Bauwerke gehen, ..., mit dem Ablauf der Ruhezeit in das öffentliche Eigenthum über."
Die Vorbereitungen für die Anlage des neuen »Centralfriedhofes Ohlsdorf« traf zu dieser Zeit die »Senats- und Bürgerschafts-Commission für die Verlegung der Begräbnisplätze«. Im Jahre 1894 gingen fast alle alten lutherischen Kirchhöfe in Hamburg in die Verwaltung der Friedhofsdeputation über und wurden bereits 1904 endgültig für Beerdigungen geschlossen. Die »Kirchhöfe vor dem Dammthor« bestanden noch bis in die 1930er-Jahre als mit hohen Bäumen bestandene Parkanlagen weiter. Sie wurden im nördlichen Teil überwiegend zur ersten großen "Niederdeutschen Gartenschau Planten un Blomen" (1936) abgeräumt; bald danach folgte auch der südliche Teil, d.h. das heutige Messegelände südlich der heutigen St. Petersburger Straße. Eine Reihe von Grabsteinen – z.B. der Handwerker-"Ämter" – und Grabdenkmälern bedeutender Hamburger Familien wurde bei dieser Gelegenheit auf den Zentralfriedhof Ohlsdorf versetzt. Noch 1953 fand man aber bei den Vorbereitungen für die erste "Internationale Gartenschau" nach dem 2. Weltkrieg ("IGA 1953") zahlreiche Grabsteine im Untergrund, die laut damaligen Presseberichten (z.B. im »Hamburger Abendblatt«) gesprengt bzw. zerkleinert werden mussten.

 

Anmerkungen

[1] siehe: Horst Beckershaus, Die Hamburger Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. (Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997)

[2] siehe: Christian Hanke, Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte. (Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997)

[3] siehe: [Joachim, E.:] Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg. Sonderdruck aus dem 5. Sonderheft der Statistischen Mitteilungen über den hamburgischen Staat: Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebietes nach dem Stande von Anfang Oktober 1925. Hamburg, 1925 (Druck von Lütcke & Wullff).
(Erstmalig: "Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg." = Statistische Mitteilungen über den Hamburgischen Staat. Teil II, S. 51-84. Hamburg, 1925.)

[4] siehe: Reinhold Pabel, Alte Hamburger Straßennamen. (Bremen: Edition Temmen, 2001)

 

Weitere Literatur

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