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Einleitung | Anmerkungen | Literatur

Register mit Erläuterungen und Mitteilungen über Veränderungen (z.B. verschwundene oder umbenannte Straßen)

 

B

Beim Trichter
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1905, ein nach der Franzosenzeit erbautes Haus. Der Name ist abgeleitet von der eigenartigen Dachform des Gebäudes, das an einen umgestülpten Trichter erinnert. 1840 kaufte Peter Georg Hanse, der erste Wirt auf dem Süllberg, das Gebäude auf Abbruch, um das Dach als sichtbares Zeichen und Sehenswürdigkeit auf dem Süllberg zu installieren.
EStH: Ben.[annt] 1905 zur Erinnerung an das nach der Franzosenzeit erbaute ehemalige Wirtshaus dieses Namens.
HANKE: (1905) Die kleine Straße erinnert an eine große Attraktion von St. Pauli. "Trichter" wurde ein achteckiger trichterförmiger Pavillon genannt, der 1805 erbaut und 1889 zu einem beliebten Tanzlokal umgestaltet wurde. Er stand am östlichen Ende der Reeperbahn und wurde 1942 durch Fliegerbomben zerstört. Nach dem Krieg erlebte er bis zu seinem Abbruch 1958 noch einmal eine Wiederauferstehung, die aber nicht von Erfolg gekrönt war.
Heute erinnert nur noch der Straßenname "Beim Trichter" an diese ehemals beliebte Lokalität, an deren Ort sich bis zu seinem Abbruch Mitte 2009 das ehemalige "Astra-Bowling"-Gebäude befand. Diese "in Beton gegossene" Vergnügungsstätte der 70er-Jahre bot Jahre lang einen ruinösen Anblick und war Gegenstand vielfältiger Überplanungen vom "Urban Entertainment Center" mit I-Max-/ Multiplexkino bis hin zu Plänen eine Büro- und Gewerbebebauung ähnlich derjenigen am Millerntorplatz. Allerdings bot es auch verschiedenen kreativen Zwischennutzungen ein preisgünstiges Dach über dem Kopf, darunter dem "Mojo-Club" (später: "Mandarin-Casino") und der Künstlervereinigung "SKAM e.V.".
Inzwischen hat sich als Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs im Jahr 2004 für die Neubebauung ein Entwurf der Hamburger Architekten BRT – Bothe, Richter, Teherani durchgesetzt, der in der Öffentlichkeit schnell den Spitznamen "Tanzende Türme" erhielt. Die namensgebenden Bürotürme bilden ein rund 90 Meter hoch aufragendes "städtebauliches Zeichen" an der Reeperbahn. Südlich daran schließt sich ein Hotelkomplex, der den Bereich zwischen den Straßen Beim Trichter und Zirkusweg ausfüllt.
Jörg HASPEL beschreibt den "Trichter" in seinem Beitrag "Feierabendarchitektur" (in: ELLERMEYER / POSTEL, 1988: 81/82) wie folgt: "Der erste »Trichter« genannte Holzpavillon wurde im Zuge der allmählichen Auflassung der Hamburger Wälle im Jahre 1805 in den neuen Grünanlagen zwischen der Neustadt und der Vorstadt Hamburger Berg errichtet. Er bot seinen bürgerlichen Gästen durch die Auslegung von Zeitschriften und Tagesblättern Gelegenheit zu kultiviertem Genuss und bildender Unterhaltung. Auch dieses Gebäude fiel der französischen Brandschatzung zum Jahreswechsel 1813/14, wurde jedoch 1820 – mit Veranden und Lauben versehen – in vergrößerter Form wieder aufgebaut. Kurz vor 1900 wurde die Garten- und Kaffeehaus-Atmosphäre durch die Übernahme des Restaurationsbetriebes von Mutzenbecher verdrängt. In dieser Zeit zogen Bierhallen-Stimmung, musikalisch-artistische Darbietungen und Promenadenkonzerte als neue Attraktionen das Publikum an."
Im Handbuch "Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker" heißt es knapp:
"Wenig später entstand 1805 am Millerntor der erste Hamburger Trichter, ein Erfrischungspavillon. 1813 zerstört, wurde er ab 1820 das 'Ballhaus Trichter' und als Revuetheater beliebt." (a.a.O., 2002: S. 956)
Beide Texte enthalten den LeserInnen eine Anekdote vor, die besagt, dass der erste hölzerne Erfrischungspavillon im Jahre 1810 durch einen in Altona entlaufenen Ochsen stark "demolirt" wurde. Der nach der französischen Brandschatzung um 1820 errichtete Neubau musste laut SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008, S. 29) bereits um 1868 "Mutzenbecher's Bierhalle" Platz machen. Über die weitere Geschichte des Ortes wissen SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) zu berichten:
"Die turmbekrönte Kuppel [des 'Trichters'] gehörte zu dem imposanten Konzertgebäude, das der Gastronom Christian Hornhardt 1889 anstelle von 'Mutzenbecher's Biergarten" eröffnet hatte. Vor dem Ersten Weltkrieg hatten dort z.B. Militärkonzerte ein breites Publikum angesprochen. In den Goldenen Zwanzigern lockten Revuen im hier nun etablierten 'Ballhaus Trichter' vorwiegend männliche Gäste an. Anziehungspunkte waren nebenan das 1926 eröffnete Großkino 'Schauburg Millerntor' und das 'Kaffee Rheinterrassen'. Nur wenig von alldem überstand die Luftangriffe von 1943 bis 1945. Die Bavaria und St. Pauli-Brauerei errichtete 1964/65 auf dem Trichter-Grundstück das Astra-Bowling-Center. Von 1991 bis 2003 sorgte hier der 'Mojo Club' für musikalische Belebung, danach das 'Mandarin-Kasino'. Die denkmalgeschützte Litfasssäule [an der Ecke zur Reeperbahn] gab es um 1879 schon." (a.a.O., S. 31)
In dem 2009 erschienenen Rundgangsbuch "Hamburg: 20 thematische Spaziergänge." (Junius Verlag in Zusammenarbeit mit Stattreisen Hamburg. Hamburg, 2009.) findet sich folgende unterhaltsame Betrachtung über den „Trichter“ und seine Gäste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts:
"Der erste 'Trichter' war eine Bierbude mit trichterförmigem Spitzdach als letzte Trinkgelegenheit vor dem Weg zurück durch die Stadttore nach Hamburg (…). Von hier aus ließ sich die arme Meute beobachten, die in Torschlusspanik nach Hamburg stürmte, um keinen Eintritt in die Stadt bezahlen zu müssen. Mehrfach neu- und umgebaut, war der 'Trichter' im 19¨Jahrhundert vor allem ein Biergarten mit Gartenlauben, die bei verliebten Pärchen sehr beliebt waren. 1889 wurde schließlich ein luxuriöses Etablissement mit Garten, rundem Ballsaal und einer prächtigen Kuppel eröffnet (…)."
Und über das 20. Jahrhundert heißt es an gleicher Stelle u.a.: "Ab 1926 zeigte das an Stelle des Biergartens errichtete 'Schauburg'-Kino mit 1.800 Plätzen und einer riesigen Orgel. Hier liefen auch 'linke' Filme, die bei der Konkurrenz, den UFA-Kinos, nicht gezeigt wurden. In den 1920er Jahren war der 'Trichter' ein international berühmter Revuepalast. Im Krieg zerstört, existierte er bis 1958 noch einmal als schnöder Nachkriegsbau, ehe 1969 eine Bowlingbahn gebaut wurde, deren Reste bald durch zwei Bürogebäude ersetzt werden sollen." (siehe: Jörg Tietgen, Vergnügungsviertel-Spaziergang; a.a.O. S. 264-65)
Im Zuge der Neubebauung ist die "Auferstehung" des "Mojo-Clubs" unter dem westlichen Vorplatz der Bürotürme in einem unterirdischen viergeschossigen Bauwerk erfolgt, das über eine versenkbare Treppe von der Platzfläche aus zugänglich ist. Diese Fläche ist im Eigentum des Bau- und des Hotelkonzerns, die die „Tanzenden Türme“ und das Hotel errichtet haben und nutzen; sie ist jedoch mit allen Nutzungsrechten einer öffentlichen Wegefläche versehen.

siehe auch: Zirkusweg

 

Anmerkungen

[1] siehe: Horst Beckershaus, Die Hamburger Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. (Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997)

[2] siehe: Christian Hanke, Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte. (Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997)

[3] siehe: [Joachim, E.:] Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg. Sonderdruck aus dem 5. Sonderheft der Statistischen Mitteilungen über den hamburgischen Staat: Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebietes nach dem Stande von Anfang Oktober 1925. Hamburg, 1925 (Druck von Lütcke & Wullff).
(Erstmalig: "Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg." = Statistische Mitteilungen über den Hamburgischen Staat. Teil II, S. 51-84. Hamburg, 1925.)

[4] siehe: Reinhold Pabel, Alte Hamburger Straßennamen. (Bremen: Edition Temmen, 2001)

 

Weitere Literatur

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