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Einleitung | Anmerkungen | Literatur

Register mit Erläuterungen und Mitteilungen über Veränderungen (z.B. verschwundene oder umbenannte Straßen)

 

B

Bernstorffstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt), 1948, nach dem dänischen Staatsminister Hartwig Ernst Graf von Bernstorff (1712-1772) und dessen Neffen Andreas Peter Graf von Bernstorff (1735-1797), die die deutschen Interessen im dänischen Gesamtstaat wahrten.
HANKE: (1948) Johann Hartwig Ernst von Bernstorff (1712-1772), und sein Neffe Andreas Peter Graf von Bernstorff (1735-1797), dänische Staatsmänner, wahrten die deutschen Interessen in Dänemark. Vor 1948: Adolfstraße, und davor zum Teil Brunnenstraße.
Der erstgenannte leitete von 1751 bis 1770 die Außenpolitik des dänischen Gesamtstaates und zugleich die sog. "Deutsche Kanzlei", die für die dänischen Gebiete Schleswig-Holsteins zuständig war. Er gilt als Anhänger der Aufklärung, einer der Wegbereiter innerer Reformen im Königreich Dänemark, und wurde 1767 in den Grafenstand erhoben. Während seiner Amtszeit förderte er viele im dänischen Gebiet lebende Dichter und Gelehrte wie F. G. Klopstock und den Forschungsreisenden Carsten Niebuhr. J. H. E. von Bernstorff verlor seine Ämter auf Veranlassung des dänischen Geheimen Kabinettsministers Johann Friedrich Struensee (1737-1772), der ab 1757 Stadtphysikus in Altona gewesen war und 1772 wegen Hochverrats in Kopenhagen grausam hingerichtet wurde. Nach Struensees Sturz wurde er wieder eingesetzt, starb jedoch wenige Tage später. Sein Neffe Andreas Peter Bernstorff (1735-1797; seit 1767 Graf von Bernstorff) folgte ihm im Amt und setzte die begonnenen innen- und außenpolitischen Reformen, darunter die Aufhebung der Leibeigenschaft, die Bauernbefreiung und Frieden sichernde Verträge mit anderen Nationen, fort. Dies führte zu einer Blütezeit Dänemarks, die erst mit den Feldzügen Napoleons endete.
Die Straße lag bis zum Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes (1938) vollständig im – bis 1866 der "Deutschen Kanzlei" des Königreichs Dänemark unterstehenden – Altona und trug zwischen der Kreuzung von Kleiner Freiheit und Großer Rosenstraße (heute: Paul-Roosen-Straße) und der Einmündung der Adolfstraße in die Gärtnerstraße (heute: Thadenstraße) den Namen Brunnenstraße. Dieser deutet darauf hin, dass benachbarte Quellen oder Brunnen zur Wasserversorgung der Altonaer Altstadt dienten.
Sie bildet seither die Grenze zwischen den Bezirken Hamburg-Mitte und Altona, wobei diese überwiegend exakt an der westlichen Grenze der Flurstücke des Bezirks Mitte verläuft, so dass Gehwege und Straßenflächen zum Bezirk Altona gehören. Da die Straße bereits vor Beginn der Gründerzeit die nordöstlichen Quartiere der Altonaer Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts erschloss, findet man in ihrem Verlauf noch eine Reihe kleiner Stadthäuser mit nur zwei Geschossen (Erdgeschoss und 1. Obergeschoss), die ursprünglich von einer einzelnen (Eigentümer-)Familie bewohnt wurden. Im Zuge fortschreitender Verdichtung kamen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Hinterhäuser und Terrassenbauten hinzu. Es entstanden Ensembles, die heute exemplarisch die Baukultur des 19. Jahrhunderts in der dänischen bzw. preußischen Provinzstadt Altona dokumentieren. Als Teile eines dieser Ensemble sind die meisten Häuser in der Bernstorffstr. 121-141 bereits eingetragene Baudenkmale, darunter die zweigeschossigen vorgründerzeitlichen Wohnhäuser in der Bernstorffstr. 121, 125, 127 und 141 (Eintragung als geschützte Baudenkmale am 18. August 2003) sowie die Wohnhäuser gleichen Typs mit der Nr. 131 seit 20. Februar 2002, Nr. 129 seit 25. August 2003 und Nr. 139 seit 1. Dezember 2003. Ebenfalls in die Denkmalliste eingetragen ist das um 1860 errichtete Dreitürenwohnhaus Nr. 133, 135 und 137 bereits seit 12. Juni 1996.
Auffallenderweise entwickelte sich auf der "großstädtischen" Hamburger Straßenseite – neben den kleinen Vorstadthäusern der ersten Jahrhunderthälfte – seit den 1870er Jahren eine andere Bebauung mit vier- bis fünfgeschossigen Etagenhäusern. Als beispielhaft dafür ist das im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts sukzessive entstandene Ensemble in der Bernstorffstr. 146, 148, 150 (ca. 1874; Bauherren: F. Hartmann's Erben), 152 (ca. 1896; Bauherr: vermutlich A. Witthagen; Baumeister: Schaar & Hinzpeter), 154 (1876; Bauherr: J.H. Kieser; Baumeister: Ad. Karnatz), 158 (1888; Bauherr: Charles Diestel; Baumeister: Albert Winkler), 160/162, 166/168, 170 und 172 zu betrachten. Hinter dieser Häuserzeile "verbirgt" sich die Adolphpassage (Nr. 160 a-i), die 1885 – ebenso wie die Vorderhäuser Nr. 160/162 und Nr. 164 – auf Veranlassung und nach Plänen von Carl Heinrich Leopold Gerlach errichtet wurde. Diese Gesamtanlage, bestehend aus den Vorderhäusern, den Terrassenbauten mit Vorgärten, der (ehemaligen Privat-)Straße und dem Fußweg ist seit 6. März 1998 in die Liste der geschützten Baudenkmale eingetragen.
Auch auf "Hamburger" Seite gibt es jedoch noch einige der historischen Stadthäuser, darunter das zwischen 1870 und 1875 entstandene Ensemble in der Bernstorffstr. 66, 68 und 70, dessen Abschluss das um 1875 errichtete Etagenhaus Nr. 72 bildet. Die ursprünglichen Bauherren bzw. Baumeister sind nicht namentlich bekannt, lediglich ein Umbau durch den Architekten Emil Meyer im Jahre 1924. In jüngster Zeit (2008) ist das – im Sanierungsgebiet Wohlwillstraße liegende – Ensemble durch die Absicht, es zur Errichtung eines Neubaus teilweise abzubrechen, massiv gefährdet und soll kurzfristig in die Liste der geschützten Baudenkmale eingetragen werden.

siehe auch: Adolphterrasse, Adolphpassage

 

Anmerkungen

[1] siehe: Horst Beckershaus, Die Hamburger Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. (Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997)

[2] siehe: Christian Hanke, Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte. (Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997)

[3] siehe: [Joachim, E.:] Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg. Sonderdruck aus dem 5. Sonderheft der Statistischen Mitteilungen über den hamburgischen Staat: Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebietes nach dem Stande von Anfang Oktober 1925. Hamburg, 1925 (Druck von Lütcke & Wullff).
(Erstmalig: "Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg." = Statistische Mitteilungen über den Hamburgischen Staat. Teil II, S. 51-84. Hamburg, 1925.)

[4] siehe: Reinhold Pabel, Alte Hamburger Straßennamen. (Bremen: Edition Temmen, 2001)

 

Weitere Literatur

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