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Einleitung | Anmerkungen | Literatur

Register mit Erläuterungen und Mitteilungen über Veränderungen (z.B. verschwundene oder umbenannte Straßen)

 

H

Herbertstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1922. Beim schnellen Wachstum der Vorstädte waren den Stadtvätern die Ideen für neue Straßennamen ausgegangen. So beschloß man, dem Alphabet folgend, zunächst männliche, später weibliche Vornamen zu verwenden. Unter dem Buchstaben "H" hat es Herbert getroffen (vorher: Heinrichstraße).
Die Herbertstraße ist keine öffentliche Durchgangsstraße, sondern eine geschlossene Bordellstraße.
EStH: Ben.[annt] 1922; vorher Heinrichstraße; siehe Antonistraße.
HANKE: (1922) Zu den bekanntesten Straßen Hamburgs gehört die kleine Herbertstraße, denn hier dürfen nur Herren und käufliche Damen ein- und ausgehen. Bordelle gab es hier schon, als sie noch Heinrichstraße (seit 1797) hieß. 1922 wurde die käufliche Liebe verbannt und die Adresse geändert. Die Straße bekam im Rahmen der Motivgruppe männlicher Vornamen (siehe Davidstraße) den neuen Namen Herbertstraße. Genützt hat es nichts.
Über die Erwähnungen in den Verzeichnissen der Hamburger Straßennamen hinaus gibt es auch im Internet zahlreiche Einträge – teils mit Illustrationen – zur Herbertstraße, u.a. in der Datenbank historischer Photos Hamburgs unter http://fhh.hamburg.de/foto.../ oder in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Herbertstra%C3%9Fe_%28Hamburg%29). Die dortigen Angaben sind allerdings nicht immer verlässlich, so z.B. zur Anzahl der in dieser Straße tätigen Prostituierten. Zutreffend ist hingegen die Beschreibung der Repressionen gegen das Vergnügungsgewerbe und die Prostitution in der Zeit des NS-Regimes (1933-45).
Erwähnenswert als Kuriosität ist der Film "St. Pauli Herbertstraße", der seine Welturaufführung am 7. Dezember 1965 erlebte. Regie führte Ákos Ráthonyi, für das Drehbuch war Kurt Roecken verantwortlich. Die Produktion lag in der Hand der Firma von Margarethe Reinhardt, von der auch die Idee stammte. Zu den – teilweise renommierten – DarstellerInnen zählten Eva Astor, Pinkas Braun, Elma Karlowa, Michael Cramer und Karin Field. Das Hauptmotiv lässt sich in dem Satz: "Ein Mädchen vom Lande nimmt auf St Pauli [fast] ein böses Ende" zusammenfassen. Die Bewertung eines Filmlexikon lautet daher: "Nach einer Vergewaltigung landet eine von ihren Eltern verstoßene Landwirtstochter bei Zuhältern und im Bordell, bis sie ein ehrenhafter Automechaniker befreit. Dumm und drittklassig."
Bei SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) heißt es zu dieser Straße:
"Die Herbertstraße steht bekanntlich ganz im Zeichen der Prostitution. Ursprünglich war der um 1800 angelegten Straße der Name Heinrich zugeordnet worden. Schon um 1830 existierten in der Herbertstraße fünf Bordelle. … Im Jahr 1922, als Hamburg das staatlich regulierte Bordellwesen abschaffte, wurden die frei gewordenen Räume dem Hamburger Wohnungskommissar zur Verfügung gestellt, und die Heinrichstraße – im Sinne eines 'anständigen' Neuanfangs – in Herbertstraße umbenannt. Doch bald war das horizontale Gewerbe hier wieder geschäftlich aktiv. Seit etwa 1933 verhindern Sichtblenden an beiden Seiten der Straße den freien Blick auf das dortige Treiben. Heute bieten hier rund 200 bis 250 Prostituierte in der 92 Meter langen Straße ihre Dienste an. Der Zutritt ist Jugendlichen unter 18 Jahren untersagt und wird Frauen nicht empfohlen." (a.a.O., S. 24)
Die Errichtung der – bis heute existierenden – Sichtblenden an beiden Enden der Straße wird häufig in die Zeit des NS-Regimes datiert, dessen äußerst zwiespältige Einstellung zum Vergnügungsgewerbe auf St. Pauli zwischen Misstrauen und strikter moralischer Ablehnung einerseits und der Funktionalisierung und Wertschätzung für willkommene Ablenkungen schwankte.
Allerdings weist der renommierte Hamburger Historiker Ortwin PELC in seinem Artikel "Der sündige Stadtteil. Der Ruf St. Paulis und seine Entstehung" (2008) darauf hin, dass die damalige Heinrichstraße bereits "um 1900 zur besseren Kontrolle der Prostituierten zu einer Wohnanlage mit Toren an beiden Enden um[gestaltet wurde], ..." (Pelc, 2008: S. 101; nach: Urban, 1927, S. 106 ff.)

 

Anmerkungen

[1] siehe: Horst Beckershaus, Die Hamburger Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. (Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997)

[2] siehe: Christian Hanke, Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte. (Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997)

[3] siehe: [Joachim, E.:] Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg. Sonderdruck aus dem 5. Sonderheft der Statistischen Mitteilungen über den hamburgischen Staat: Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebietes nach dem Stande von Anfang Oktober 1925. Hamburg, 1925 (Druck von Lütcke & Wullff).
(Erstmalig: "Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg." = Statistische Mitteilungen über den Hamburgischen Staat. Teil II, S. 51-84. Hamburg, 1925.)

[4] siehe: Reinhold Pabel, Alte Hamburger Straßennamen. (Bremen: Edition Temmen, 2001)

 

Weitere Literatur

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