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Einleitung | Anmerkungen | Literatur

Register mit Erläuterungen und Mitteilungen über Veränderungen (z.B. verschwundene oder umbenannte Straßen)

 

K

Kampstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1843, nach einem der Gegend anhaftenden Flurnamen.
EStH: Ben.[annt] 1843 unter Benutzung des an der Gegend haftenden Flurnamens.
HANKE: (1843) Die heute am Schlachthofgelände endende Kampstraße, die ursprünglich die Schanzen- und Karolinenstraße miteinander verband, hat ihren Namen nach den früher hier gelegenen eingezäunten Feldern, die man als "Kamp" bezeichnete. Das frühere östliche Teilstück gehört jetzt zur Grabenstraße.
Die Straße trägt auf Plänen der 1940er Jahre auch den Namen "Am Schlachthof", den sie im Zuge der Vereinheitlichung der Straßennamen im – ab 1938 geschaffenen – "Groß-Hamburg" zum 1. Januar erhalten hatte. Der frühere Straßenname wurde jedoch 1948 wieder hergestellt. An ihrer Nordseite lag das – im Jahr 1957 gesprengte – alte Hauptverwaltungsgebäude des Hamburg-Altonaer Zentralschlachthofes. Dieses – offenbar recht eindrucksvolle – Bauwerk und die benachbarten Einrichtungen des "Centralviehmarktes" und des Schlachthofes werden 1897 in einem Werk des damaligen Direktors wie folgt beschrieben:
"Nachdem wir noch einen Blick auf das kleine, freundliche Pförtnerhäuschen neben der Einfahrtspforte am Neuen Kamp, Ecke der Feldstraße geworfen und den unter der Feldstraße durchgeführten Tunnel mit seinen sauberen Wandflächen einer Besichtigung unterzogen haben, wenden wir uns, den Schlachthof für Großvieh in der Hauptstraße seiner ganzen Länge zurückschreitend, den stattlichen Thurm des Verwaltungsgebäudes als Wahrzeichen im Auge behaltend, dem Haupteingang wieder zu, überschreiten die Kampstraße und gelangen nun durch das an der Nordseite derselben hergestellte Einfahrtsthor nach dem Schweineschlachthof." (Boysen, 1897: 49 ff.)
Nach Beseitigung dieses Gebäudes wurde die Umfassungsmauer des Geländes zwischen dem nördlichen Schlachthofgebiet an der Lagerstraße und dem Gebiet um die Alte Rinderschlachthalle an der Sternstraße geschlossen und im Bereich des ehemaligen Straßenverlaufs mit Toren versehen. Damit entfiel eine weitere Verbindung zwischen dem Karolinen- und dem Schanzenviertel, die auch für kleinere Geschäfte bedeutsam gewesen war. Allmählich schlossen daher viele Läden und Gastwirtschaften, bis nur noch ein hochpreisiges Restaurant direkt am Tor zum Schlachthofgelände und eine traditionelle Eckkneipe an der Kreuzung mit der Sternstraße übrig blieben.
Seit den 1990er Jahren änderte die Kampstraße auch ihr bauliches Erscheinungsbild, denn zunächst wurde nach dem Wegzug der Gewürzfabrik HERMANN LAUE ("HeLa") der Block nordwestlich der Straße völlig entkernt und neu bebaut. In den Jahren 2006-7 wurde – nach langjährigem Leerstand von Teilen der Gebäude und dadurch fortschreitendem Verfall – auch südlich des Straßenabschnitts zwischen Stern- und Schanzenstraße mit der Errichtung mehrerer neuer Wohngebäude begonnen. Bei diesem Bauvorhaben wird die Fassade des klassizistischen Vergängerbaus an der Ecke zur Sternstraße ebenso erhalten wie die kleinteilige Aufteilung der Flurstücke südlich der Straße, die sich bei den benachbarten Altbauten fortsetzt. Nur bei einem Teil der neuen Wohnungen handelt es sich allerdings um sozialen Wohnungsbau, weshalb die Entwicklung bereits 1993 im Stadtteilrundgang "St. Pauli-Nord: Zwischen Pferdemist und Verbindungsbahn" eher kritisch gesehen wird:
"Zwischen Schanzen- und Sternstraße befand sich bis 1989 die 1893 gegründete Gewürzfabrik H. Laue. Neben dem Aroma des Schlachthofes prägte sie mit Gewürzgerüchen das Flair des Viertels. Nach ihrer Umsiedlung an den Stadtrand hätte der Senat sein Vorkaufsrecht für dieses Gelände zum Bau von Sozialwohnungen und zum Erhalt billigen Wohnraums nutzen können. Das Gelände wurde an einen Rechtsanwalt verkauft; Häuser stehen leer, verfallen, ein Spekulationsobjekt erster Güte." (Kiek mol, 1993, S. 301)
Das sog. "Laue-Gelände", d.h. Grundstücke und Gebäude der Gewürzfirma Hermann Laue umfasst nahezu zwei Straßenblöcke nördlich und südlich der Kampstraße. Die Grenzen werden im Westen von der Schanzenstraße, im Osten von der Sternstraße, im Norden von der Lagerstraße und im Süden von der Ludwigstraße gebildet. Zu dem zum Zweck der Immobilienentwicklung im März 1990 an den Hamburger Rechtsanwalt Dabelstein und seine Partner veräußerten Grundstücken gehörten die Sternstr. 107 - 117 a, Kampstr. 5 - 7 und 15 / 15a, Schanzenstr. 56 - 62 (mit Gewürzsilo und Produktionsanlagen), Schanzenstr. 64 - 70 (zusammen mit dem gesamten Innenhof), Ludwigstr. 6 - 8 und 13. Wegen des anschließenden jahrelangen Leerstands kam es in mehreren dieser Häuser - u.a. in der Sternstr. 107, der Schanzenstr. 58 - 62 und der Kampstr. 5 / 6 – in den 1990er Jahren zu Hausbesetzungen, die durch massive Polizeieinsätze schnell wieder beendet wurden.
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt die Kampstraße seit 2008 administrativ in diesem östlichen Appendix des Bezirks.
Der frühere östliche Abschnitt der Kampstraße wurde der – ehemals nur in ihrem heutigen nord-südlichen Abschnitt so benannten – Grabenstraße zugeschlagen, nachdem das nördliche Schlachthofgelände in den 1950er Jahren durch den Bau neuer Hallen weiter verdichtet und mit den Flächen rund um die Alte Rinderschlachthalle am Neuen Kamp verbunden worden war. Er beginnt in Höhe der ehemaligen Quarantäne-Ställe (sog. "Kontumaz-Anlage"; errichtet 1888) und mündet zwischen dem Fernwärme-Umspannwerk und der Israelitischen Töchterschule in die Karolinenstraße. Im Sommer 2010 wurde dieser Straßenabschnitt erneut umbenannt und trägt nun den Namen Flora-Neumann-Straße.
An diesem Straßenabschnitt befinden sich neben der ehemaligen Israelitischen Töchterschule und ihrer Turnhalle zwei weitere historische Schulgebäude, die inzwischen von anderen Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen genutzt werden: In die Israelitische Töchterschule – heute Alberto-Jonas-Haus – sind Einrichtungen der Volkshochschule Hamburg (VHS) und ein Kindertagesheim für Kinder mit Behinderungen eingezogen. Das frühere Gebäude der Turnhalle wurde zu einem neuen Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde um- und ausgebaut. Das benachbarte Gebäude der "Knabenschule" beherbergt seit einigen Jahren eine Regionale Beratungsstelle der Schulbehörde ("REBUS"), während sich jenseits der Glashüttenstraße in der frühere "Rumbaum’sche Stiftungsschule" eine Kinder- und Jugendeinrichtung in freier Trägerschaft, die Arbeitsgemeinschaft Karolinenviertel ("AG KV") befindet. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind in jüngster Zeit ein Bürogebäude und neue Wohnungen der Wohnungsbaugenossenschaft Hansa eG entstanden.

siehe auch: Flora-Neumann-Straße

 

Anmerkungen

[1] siehe: Horst Beckershaus, Die Hamburger Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. (Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997)

[2] siehe: Christian Hanke, Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte. (Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997)

[3] siehe: [Joachim, E.:] Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg. Sonderdruck aus dem 5. Sonderheft der Statistischen Mitteilungen über den hamburgischen Staat: Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebietes nach dem Stande von Anfang Oktober 1925. Hamburg, 1925 (Druck von Lütcke & Wullff).
(Erstmalig: "Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg." = Statistische Mitteilungen über den Hamburgischen Staat. Teil II, S. 51-84. Hamburg, 1925.)

[4] siehe: Reinhold Pabel, Alte Hamburger Straßennamen. (Bremen: Edition Temmen, 2001)

 

Weitere Literatur

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