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Einleitung | Anmerkungen | Literatur

Register mit Erläuterungen und Mitteilungen über Veränderungen (z.B. verschwundene oder umbenannte Straßen)

 

N

Neuer Pferdemarkt
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), ben. 1841, als "Am neuen Pferdemarkt", nach der Benutzung des anliegenden freien Platzes und im Gegensatz zum Pferdemarkt in der Altstadt.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Der Platz befindet sich in der Verlängerung Stresemannstraße, Budapester Straße, auf der Höhe Neuer Kamp. Benannt 1841 als »Am neuen Pferdemarkt«. Hier befand sich tatsächlich ein Pferdemarkt. Den Zusatz »Neuer« erhielt der Platz im Unterschied zum »Pferdemarkt« in der Altstadt, der im Todesjahr von Gerhart Hauptmann (1946) in Gerhart-Hauptmann-Platz umbenannt wurde."
EStH: Ben.[annt] 1841 als Am neuen Pferdemarkt nach der Benutzung des anliegenden freien Platzes und im Gegensatze zum Pferdemarkt in der Altstadt.
HANKE: (1841) Auf dem neuen Pferdemarkt, der bis 1841 Bestandteil der Straße Schulterblatt war, wurde mit Pferden gehandelt. Neu war er im Vergleich zu dem Pferdemarkt der Altstadt, dem heutigen Gerhart-Hauptmann-Platz.
Südlich anschließend findet sich auf der Karte "Grundriss der Vorstadt von Hamburg S[ank]t Pauli; herausgegeben von P. G. Heinrich." Gezeichnet v. A.[nton] A.[ugust] M.[artin] Nagel. In Stein gestochen v. Th.[eodor] Boehden; verlegt von Otto Speckter, Hamburg, 1836 (Lithographie; Maßstab: [Ca. 1:5.800]; Größe: 37 x 44 cm) der Ochsenmarkt, der bereits auf Altonaer Gebiet zwischen der "Bleichen-Strasse" (heute Bleicherstraße) und dem Grenzgang abgehalten wurde.
Mit dem Wiederaufbau der im Winter 1813/14 unter französischer Besatzung niedergebrannten Bebauung entstanden am Neuen Pferdemarkt Wohnhäuser, deren langgestreckte rückwärtige Gartengrundstücke teilweise auch Gewerbe- und Handelszwecken in Verbindung mit dem Vieh- und Pferdehandel dienten. Der Pferdemarkt wurde hier bis 1826 abgehalten. Er wurde nicht nur von Pferdehändlern und Fuhrunternehmern aus Hamburg besucht, sondern auch von Gutsbesitzern und Händlern aus den ostelbischen Provinzen und von Aufkäufern, die Pferde für die Kavallerie-Einheiten unterschiedlicher Armeen erwarben. Um den Platz herum siedelten sich "Kommissionäre" (Zwischenhändler), Tierärzte und eine Fabrik für Kutschen und Wagenaufbauten an. Diese – in den 1840er Jahren gegründete – Firma von F. SACHS & Sohn ist im Hinterhof des Hauses 27 bis heute tätig.
Auch die langgezogene Form der Grundstücke auf beiden Seiten des Platzes ist z.T. bis heute erhalten und spiegelt sich in ihrer Bebauung wider, die in Form mehrerer Terrassen und Passagen (davon zwei bis hin zur Sternstraße) errichtet wurde. Zu den Relikten der früheren Nutzung zählen eine Tierarztpraxis und ein Fachwerkgebäude aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das nach lokaler Überlieferung der napoleonischen Kavallerie als Pferdestall gedient haben soll.
Auch im Umfeld gab es Quartiere für Reisende und ihre Reittiere. So dienten z.B. das obere Geschoss des Hinterhauses Beim Grünen Jäger 6a oder Kellerräume im Braunschweiger Hof am Schulterblatt zum Unterstellen von Pferden. Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhundert gab es auch Viehkoppeln hinter der Rindermarkthalle südlich des Neuen Kamps zwischen Eimsbütteler Straße (heute: Budapester Straße) und den Gleisanlagen des Viehbahnhofs am westlichen Rand des Heiligengeistfeldes.
Die gründerzeitlichen Vorderhäuser der östlichen ("Hamburger") Seite fügten sich seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einer "Platzwandbebauung" zusammen, die teilweise – z.B. an der Einmündung der Beckstraße heute noch in Resten erkennbaren – von Vorgärten zum Platz- bzw. Straßenraum hin abgeschirmt war. Die meisten Vorgärten fielen jedoch – als Tribut an die "autogerechte Stadt" – einer Nebenfahrbahn mit Parkplätzen zum Opfer. Die westliche ("Altonaer") Seite des Platzraums – an der Straße Beim Grünen Jäger – zeigt sich hingegen erheblich heterogener und hatte noch einige vorstädtische Reminiszenzen (z.B. Beim Grünen Jäger 6, 6a) bewahrt, die inzwischen jedoch teilweise zerstört oder durch Neubauprojekte zumindest erheblich bedroht sind.
Das an die spitzwinkligen Ecken Pariser oder Brüsseler Plätze Hausmannscher Prägung (Georges-Eugène Haussmann, 1809-1891; Architekt und Stadtplaner) erinnernde Eckhaus im Norden des Platzes zwischen Schulterblatt und Schanzenstraße trägt als besonderen Hinweis auf seine Lage an der ehemaligen Grenze zwischen Hamburg und Altona an der westlichen Fassade das Altonaer Stadtwappen mit dem einladend geöffneten Tor, an der östlichen hingegen das Hamburger mit den trutzig geschlossenen Flügeln des "Tores zur Welt".
Der Neue Pferdemarkt wurden im Zuge fortschreitender Motorisierung und zeitweilig mit der Zielsetzung, die Schaffung der "autogerechten Stadt" (siehe: Hans Bernhard Reichow: Die autogerechte Stadt. Ein Weg aus dem Verkehrs-Chaos. Ravensburg, 1959.) voranzutreiben, immer wieder umgebaut. Meist wurden dabei die Verkehrflächen für den Kraftfahrzeugverkehr ausgeweitet und optimiert, z.B. durch die Auflösung der Kreuzungssituation mit der Straße Beim Grünen Jäger. Im Zuge verschiedener U-Bahn-Planungen war jedoch seit den 1920er Jahren auch immer wieder eine Verlegung der U-Bahn-Trasse und der Haltestelle Feldstraße nach Westen in der Diskussion, wurde aber bekanntlich nie realisiert.

siehe auch: Beim Grünen Jäger

 

Anmerkungen

[1] siehe: Horst Beckershaus, Die Hamburger Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. (Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997)

[2] siehe: Christian Hanke, Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte. (Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997)

[3] siehe: [Joachim, E.:] Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg. Sonderdruck aus dem 5. Sonderheft der Statistischen Mitteilungen über den hamburgischen Staat: Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebietes nach dem Stande von Anfang Oktober 1925. Hamburg, 1925 (Druck von Lütcke & Wullff).
(Erstmalig: "Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg." = Statistische Mitteilungen über den Hamburgischen Staat. Teil II, S. 51-84. Hamburg, 1925.)

[4] siehe: Reinhold Pabel, Alte Hamburger Straßennamen. (Bremen: Edition Temmen, 2001)

 

Weitere Literatur

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