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Einleitung | Anmerkungen | Literatur

Register mit Erläuterungen und Mitteilungen über Veränderungen (z.B. verschwundene oder umbenannte Straßen)

 

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St. Pauli-Hafenstraße
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BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1948, als Zugangsweg von St. Pauli zum Niederhafen. – Heute ist diese Straße weit über Hamburgs Grenzen hinaus berüchtigt, weil es den Anwohnern gelungen ist, über Jahrzehnte Negativschlagzeilen in der Presse zu haben.
Diese etwas eigenwillige Deutung wird keineswegs von allen Hamburger/innen geteilt, denn die Häuser und Projekte an der St. Pauli-Hafenstraße sind längst zu einer "Attraktion" geworden, an der kaum ein/e St. Pauli-Besucher/in und keine Stadtrundfahrt achtlos vorübergeht!
Längst hat die Hafenstraße es auch zu einem Eintrag in der offenen Internet-Enzyklopädie Wikipedia gebracht, dem zahlreiche Verweise zu verschiedensten weiterführenden Veröffentlichungen – auch in Filmen und Ton – zu entnehmen sind (http://de.wikipedia.org/wiki/Hafenstra%C3%9Fe). Ein Überblick über die umkämpften Jahre zwischen 1981 und 1991 findet sich zudem unter dem Titel "Chronologie der Hafenstrasse" auf den Webseiten von »nadir.org« (http://www.nadir.org/nadir/archiv/Haeuserkampf/Hafenstrasse/doku.html).
Einen guten Eindruck vom Verlauf der Ereignisse, von den politischen Begleitumständen der Besetzung der Hafenstraßen-Häuser in den 1980er Jahren und ihrer künftigen Nutzung als alternativem Wohnprojekt liefert das Buch "Hafenstraße: Chronik und Analysen eines Konflikts" von M. Herrmann, H.-J. Lenger, J.Ph. Reemtsma und K.H. Roth (Hamburg, 1987). Diskursive und symbolische Aspekte der heftigen politischen Auseinandersetzungen der 1980er Jahre beleuchtet einige Jahre später W. Lehne unter dem Titel "Der Konflikt um die Hafenstraße. Kriminalitätsdiskurse im Kontext symbolischer Politik" (Reihe: Hamburger Studien zur Kriminologe, Bd. 18; 1994).
Ungemein informativ ist auch eine Publikation der "Patriotischen Gesellschaft von 1765", einer traditionsreichen Hamburger Institution "... zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe" (wie ihr vollständiger Name besagt), von 1996 unter dem Titel "Die Hafenstraße: Der Dialog als politischer Weg. Dokumentation und Reflexionen zum Wirken der Dialogkommission der Patriotischen Gesellschaft von 1765". Die Patriotische Gesellschaft dokumentiert in dieser Schrift das Wirken der von ihr begründeten Dialogkommission im Konflikt um die Hafenstraßen-Häuser.
Im gleichen Jahr wurden die – heute teilweise nicht mehr vorhandenen – Wandbilder in der Hafenstraße in dem vom St. Pauli-Archiv (http://www.st-pauli-archiv.de/) herausgegebenen Buch "Zu bunt ..." von Monika Sigmund dokumentiert.
Eine neuere – durchaus in ihrer Perspektive umstrittene – Publikation des Autors Carl-Heinz Mallet ist im Jahr 2000 unter dem Titel "Die Leute von der Hafenstraße: über eine andere Art zu leben“ erschienen (Hamburg: Ed. Nautilus).
Aufschlussreich für eine "gut bürgerliche" Sichtweise erscheint auch der Artikel "Hafenstraße" im "Hamburg Lexikon" (1998), hrsg. von Franklin Kopitzsch und Daniel Tilgner, in dem es heisst:
"Hafenstraße ist als Begriff für ein Dutzend heruntergekommener Mietshäuser an der St. Pauli-Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße entstanden, die zwischen 1981 (damals noch der stadteigenen Wohnungsgesellschaft SAGA gehörend) und 1995 weithin bekannt wurden. Von Angehörigen der Protestszene partiell besetzt, teils renoviert, teils festungsartig verstärkt, durch spektakuläre Bemalung zur Touristenattraktion geworden, bildeten sie jahrelang einen nahezu rechtsfreien Raum, worin Mietzahlungsverweigerung, Energiediebstahl und Gewaltakte ungeahndet blieben. Zahlreiche vor Gericht erwirkte Räumungsbefehle blieben unvollstreckt. Mit immer neuen rechtskonstruktionen versuchte der Senat, sich mit den rund 120 Bewohnerinnen und Bewohnern zu einigen. Bürgermeister K. von Dohnanyi trat 1988 wegen eines Konflikts in seiner Partei, der SPD, über die Hafenstraße zurück. 1995 wurden die Häuser zu einem 'politischen Preis' an eine Genossenschaft 'Alternativen am Elbufer' verkauft. Nicht nur die 'Neue Zürcher Zeitung' sprach von einer 'Kapitulation des Rechtsstaats''. Anderen gilt die Hafenstraße als ein Symbol für Defizite in der Wohnungspolitik einerseits, für den Wunsch junger Leute nach selbstbestimmten Wohnen andererseits. Diese Kreise begrüßten den Verkauf als Beitrag zur friedlichen Konfliktlösung."
("luz" – Helmut Stubbe-da Luz, in: Franklin KOPITZSCH / Daniel TILGNER: Hamburg-Lexikon. Hamburg: Zeise-Verlag, 1998: 195)
Wenige Jahre später heißt es 2002 im Handbuch "Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker." der HAMBURGER SPARKASSE:
"Das Dutzend besetzter Häuser an der St.-Pauli-Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße sorgte unter dem Begriff H a f e n s t r a ß e fast eineinhalb Jahrzehnte für politischen Zündstoff. 1981 zogen Besetzer in die vom Abriss bedrohten SAGA-Häuser ein und blieben trotz mehrfacher Räumungsbefehle dort wohnen. Die teils renovierten Bauten wurden zu einer Mischung aus Touristenattraktion und politischem Spielball, über den 1988 der damalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi stolperte. Erst 1995 gelang eine Einigung mit den rund 120 Bewohnern, nach der die Häuser zu einem 'politischen Preis' an die Genossenschaft ’Alternativen am Elbufer’ verkauft wurde[n].''Acht der zwölf Häuser sind inzwischen renoviert, die letzten vier sollen in den kommenden drei Jahren bezugsfertig sein', schildert Sandra Pohlmann von den 'Alternativen' die Fortschritte. Alle rund 80 Wohnungen sind öffentlich geförderter Wohnraum; die Baukosten betragen insgesamt rund 6,5 Mio. Euro.“ (Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker, 2002: S. 957.)
In wenigen knappen Sätzen, jedoch mit einem verschmitzten Resümee, fassen SCHREIBER / WALDEN (2008) die Entwicklung zusammen:
"Zur Erinnerung: 1981/82 waren mehrere, teilweise zum Abbruch vorgesehene Wohnhäuser an der Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße von jungen Leuten aus der linksautonomen Szene besetzt worden. In der Folge kam es zu ständigen Auseinandersetzungen und Polizeieinsätzen. Inzwischen hat sich die Situation beruhigt. Die nunmehr sanierten Häuser gehören der Genossenschaft 'Alternativen am Elbufer e.G.'. Gerade hat diese einen Wohnungsneubau an der Hafenstraße errichtet – gefördert von der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt." (a.a.O., S. 19)
Die zitierten modernen Darstellungen des "Phänomens Hafenstraße" lassen die historische Entwicklung dieses Abschnitts des Hafenrandes weitgehend außer acht, der bereits seit dem 19. Jahrhundert immer wieder tiefgreifenden Umstrukturierungen unterworfen war: Wie ein Vergleich historischer Karten der Jahre 1836 und 1876 belegt, wurden durch die Neuanlage der Hafenstraße im Jahre 1859 die langgestreckten Grundstücke südlich des Pinnasberges und der Straßen Bei dem Jonas und Bei den Thranbrennereien, die ursprünglich bis an die Elbe reichten, von ihrem Zugang zum Wasser abgeschnitten. Die dort ansässigen Schiffswerften und Bootsbauer mussten auf die Südseite der Norderelbe umziehen, wo sie sich u.a. auf dem Kleinen Grasbrook und Steinwerder neu ansiedelten. Dort konnten die Betriebe expandieren und – nach der Hamburger Werftenkrise der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, die 1838 die Auflösung des Schiffbaueramtes zur Folge hatte – wieder rentabler und damit konkurrenzfähiger arbeiten. Auch viele Zulieferbetriebe, vor allem Ankerschmieden und Segelmacher, folgten ihnen an den neuen Standort, während die Reeper ihr Gewerbe noch einige weitere Jahrzehnte (bis 1883) nördlich der Reeperbahn ausübten.
Abschließend ist zu erwähnen, dass in diesem Teil St. Paulis noch in den 1970er Jahren – ähnlich wie an anderen Bereichen des Hafenrandes – Fischanlandung und -verarbeitung heimisch waren. Inzwischen haben Hochsee- und Küstenfischerei sowie die Fischverarbeitung diesen Standort allerdings längst verlassen und nur noch einige gastronomische Betriebe wie das "Fischerhaus" und die restaurierte Altonaer Fischauktionshalle am Fischmarkt zeugen von dieser – gar nicht so fernen – Vergangenheit.

 

Anmerkungen

[1] siehe: Horst Beckershaus, Die Hamburger Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. (Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997)

[2] siehe: Christian Hanke, Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte. (Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997)

[3] siehe: [Joachim, E.:] Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg. Sonderdruck aus dem 5. Sonderheft der Statistischen Mitteilungen über den hamburgischen Staat: Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebietes nach dem Stande von Anfang Oktober 1925. Hamburg, 1925 (Druck von Lütcke & Wullff).
(Erstmalig: "Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg." = Statistische Mitteilungen über den Hamburgischen Staat. Teil II, S. 51-84. Hamburg, 1925.)

[4] siehe: Reinhold Pabel, Alte Hamburger Straßennamen. (Bremen: Edition Temmen, 2001)

 

Weitere Literatur

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